27.05.2026
N°1 2026

Kurzmeldungen

Kürzung der Mittel für die Weiterbildung

In der BFI-Botschaft 2025–2028, die im September 2024 vom Parlament verabschiedet wurde, hatte der Bundesrat die Förderung der Weiterbildung noch als strategische Priorität festgelegt. Er hatte sogar betont, dass sich Kürzungen in der Weiterbildung in Folgekosten etwa bei der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe niederschlagen würden.
Umso mehr verstörte die überraschende Kehrtwende nur wenige Monate später: Der Bundesrat wollte im Rahmen des «Entlastungsprogramms 27» bei der Weiterbildung massiv sparen. Er schlug vor, die Fördermittel für die Weiterbildung massiv einzuschränken oder sie sogar ganz zu streichen.

Aus Sicht des SVEB hätte der Bundesrat mit diesen Sparplänen seine eigene Weiterbildungspolitik der letzten Jahre demontiert, die Ergebnisse der Bildungsforschung missachtet und wissentlich eine wichtige Ressourcenbasis der Schweizer Volkswirtschaft gefährdet. Der SVEB lehnte das vom Bundesrat vorgelegte Sparpaket entschieden ab und setzte sich mit aller Kraft gemeinsam mit seinen Partnern politisch gegen die Sparpläne ein.

Zusammen mit anderen Verbänden lancierte der SVEB eine Allianz gegen die Sparpläne und äusserte in einem offenen Brief seine Bedenken. In mehreren Stellungnahmen wies der SVEB, insbesondere SVEB-Präsidentin Tiana Moser, darauf hin, dass die Sparpläne volkswirtschaftlich schädlich und widersinnig wären. Anfang Februar 2025 positionierte sich auch die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren EDK mit einer Stellungnahme sehr klar gegen die Sparmassnahme in der Weiterbildung. Auch wurden intensive Gespräche mit Parlamentarierinnen und Parlamentariern geführt.

Mit Erfolg: Nationalrat und Ständerat konnten sich im März nach intensiven Beratungen auf einen Mittelweg einigen. Dies nachdem sich zuerst der Ständerat für eine Reduktion der Sparpläne ausgesprochen hatte und der Nationalrat sogar ganz auf Kürzungen in der Weiterbildung verzichten wollte. Der Kompromiss: Der Weiterbildung wurde ein Budget von 15 Millionen Franken pro Jahr zugesprochen (bisher: 19 Millionen Franken). Die Mittel werden damit ab 2027 um 20 Prozent gekürzt. Trotz der schmerzhaften Kürzung ist es für das Weiterbildungsfeld als Erfolg zu werten, dass 80 Prozent der Finanzierung gerettet werden konnten.

«Professional Bachelor» und «Professional Master» werden eingeführt

In der höheren Berufsbildung gibt es neue Titelzusätze für HF-Diplome und eidgenössische Berufsprüfungen. Mit dieser und weiteren Änderungen soll die Berufsbildung attraktiver und international besser anerkannt werden.

Der Nationalrat hat am 10. Dezember 2025 nach dem Ständerat einer entsprechenden Änderung des Berufsbildungsgesetzes zugestimmt. Mit der Revision werden die Titelzusätze «Professional Bachelor» und «Professional Master» für die Abschlüsse der höheren Berufsbildung eingeführt. Zudem ist Englisch neu eine mögliche zusätzliche Prüfungssprache bei eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen. Künftig dürfen ausserdem nur Anbieter eidgenössisch anerkannter Bildungsgänge die Bezeichnung «Höhere Fachschule» führen.

Dies sei ein wichtiges Signal gegen den Fachkräftemangel und zur Steigerung der Berufsattraktivität in der Schweiz, sagte Kommissionssprecherin Katharina Prelicz-Huber (Grüne ZH). Zudem würde damit die Berufsbildung im internationalen Kontext besser anerkannt.

Konkret erachtete die Mehrheit die Einführung der Titelzusätze als wichtig, damit im Ausland erkennbar ist, dass es sich um Abschlüsse auf Tertiärstufe handelt.

Hintergrund dieser Änderungen war, dass Hochschulabschlüsse in den letzten Jahren stärker zugenommen haben als Abschlüsse der höheren Berufsbildung. Zugleich beklagten die höheren Fachschulen seit Längerem einen Mangel an Bekanntheit und Ansehen. Der Bundesrat hatte deshalb eine Motion zur besseren Positionierung der höheren Fachschulen angenommen und die Situation grundlegend prüfen lassen. Dabei wurde die gesamte höhere Berufsbildung – also auch die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen – berücksichtigt.

Die beantragten Massnahmen wurden zusammen mit den Verbundpartnern der Berufsbildung (Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt) und unter Einbezug der Hochschulen erarbeitet.

viamia: Vorwiegend Gutqualifizierte nutzen die Beratung

Das Angebot viamia unterstützt Menschen ab 40 dabei, ihre Berufschancen zu stärken und sich frühzeitig auf Veränderungen im Arbeitsmarkt vorzubereiten. Es entstand 2019 als Teil des vom Bundesrat beschlossenen Massnahmenpakets zur Förderung inländischer Arbeitskräfte.

Gemäss Monitoringbericht schlossen im Zeitraum vom 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember 2025 insgesamt 31’932 Teilnehmende eine viamia-Beratung ab. Die Kantone Zürich, Waadt, Bern und Aargau – also die vier bevölkerungsreichsten Kantone – verzeichnen die meisten viamia-Beratungen. 18’838 aller Beratungen (59 Prozent) fanden in einem dieser vier Kantone statt.

70 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen, 82 Prozent erwerbstätig und 83 Prozent Schweizer/-innen. Die Teilnehmenden sind vorwiegend gut qualifiziert. 40 Prozent haben einen Hochschulabschluss, knapp ein Fünftel (18 Prozent) hat eine höhere Berufsbildung abgeschlossen. 6 Prozent haben als höchste Ausbildung eine gymnasiale Maturität, Berufsmaturität oder Fachmaturität absolviert. Weitere 31 Prozent der Ratsuchenden verfügen über eine berufliche Grundbildung ohne weitere Qualifikationen. 4 Prozent der Teilnehmenden haben die obligatorische Schulzeit ohne anschliessende Ausbildung abgeschlossen.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Teilnehmenden weisen gemäss der Einschätzung der Beratenden eine eher stark bis sehr stark ausgeprägte Arbeitsmarktfähigkeit aus. Rund einem Drittel (38 Prozent) wird eine mittelmässige Arbeitsmarktfähigkeit attestiert. 15 Prozent weisen eine eher schwach bis sehr schwach ausgeprägte Arbeitsmarktfähigkeit auf. Diese Verteilung blieb über die Jahre hinweg weitgehend stabil.

Der meistgenannte Grund für die Teilnahme an viamia ist der Wunsch nach einer beruflichen Weiterentwicklung. Auch der generelle Wunsch nach Veränderung oder einer beruflichen Umorientierung, die Hoffnung auf eine grössere Zufriedenheit bei der Arbeit sowie eine berufliche Unsicherheit treiben die ratsuchenden Personen an.

Gesundheitliche Probleme, das Aufstocken des Arbeitspensums, der Wunsch nach einer finanziellen Besserstellung, ein Wiedereinstieg nach einer Pause etc. werden seltener als Gründe für die Teilnahme angegeben.

Die viamia-Beratungen schneiden bei den Teilnehmenden sehr gut ab. Mit einer Durchschnittsnote von 5.5 ist die Kundenzufriedenheit des Beratungsprodukts viamia sehr hoch. Weniger als 2 Prozent der Teilnehmenden verleihen dem Angebot eine ungenügende Note. Die Zufriedenheit ist über die drei Jahre hinweg durchgehend hoch.

Die Entwicklung und Einführung von viamia wurde vom Bund initiiert und weitgehend finanziert. Gemeinsam mit den Kantonen schuf das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ein Angebot für berufliche Standortbestimmung und Laufbahnberatung. Die inhaltliche Gestaltung und Umsetzung verantwortete die Schweizerische Konferenz für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (SK BSLB), eine Fachkonferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK).

Seit 2026 liegt die Finanzierung und Durchführung des Programms viamia bei den Kantonen. Sie führen das Angebot eigenständig, nach gemeinsamen Standards und unter dem gemeinsamen Label viamia weiter. Die Beratungen werden von den kantonalen Stellen für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (BSLB) durchgeführt.

Bildungsstrategie für geringqualifizierte Personen in Winterthur

Die Stadt Winterthur hat eine Bildungsstrategie für geringqualifizierte Personen erarbeitet. Gemäss einer Medienmitteilung möchte die Stadt diese Menschen gemäss dem Grundsatz «Arbeit dank Bildung» unterstützen. Die betroffenen Personen sollen die Möglichkeit erhalten, berufliche Qualifikationen zu erlangen und fehlende Grundkompetenzen nachzuholen. Dazu gehören Lesen, Schreiben, Rechnen, mündliche Ausdrucksfähigkeit in deutscher Sprache sowie die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Dies soll ihre Chancen erhöhen, eine Stelle zu finden und diese zu behalten.

Eine Analyse der Situation in Winterthur zeigte, dass die Stadt mit 15 Prozent einen vergleichsweise hohen Anteil an Personen zwischen 20 und 64 Jahren ohne Lehrabschluss oder Maturität aufweist. Obwohl es bereits eine breite Palette an Bildungsangeboten gibt, nehmen viele der betroffenen Personen diese aus Gründen wie Scham, mangelnde Lese-/ Sprachkenntnisse, fehlende Kenntnisse des Bildungssystems oder fehlende finanzielle Mittel nicht in Anspruch.

Die Stadt hat deshalb gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft eine Bildungsstrategie erarbeitet. Diese umfasst vier Ziele:

Ziel 1: Vernetzung, Koordination und Angebote
Massnahmen: Angebotsübersicht erstellen, Netzwerk pflegen, Angebot überprüfen und weiterentwickeln, Kontakte mit für Winterthur relevanten Arbeitgebern intensivieren, rechtliche Hürden senken

Ziel 2: Geringqualifizierte Personen erreichen
Massnahmen: Multiplikatoren sensibilisieren, Fachpersonen der Sozialen Dienste schulen, niederschwellige Informationsmittel erstellen

Ziel 3: Bildungsbedarf abklären und beraten
Massnahmen: Grundabklärung für Personen in der Sozialhilfe und Asylsozialhilfe durchführen, Abklärung für Personen ausserhalb eines Unterstützungssystems prüfen, Abklärung von Grundkompetenzen und niederschwellige Beratung koordinieren

Ziel 4: Bildung ermöglichen
Massnahmen: Arbeitsmarktstipendien ausrichten, erwachsene geringqualifizierte Personen auf dem Bildungsweg begleiten, geringqualifizierte Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Bildungsweg begleiten

Die Umsetzung soll im Sommer 2026 beginnen.

SVEB-Studie zu den Tessiner Lernstuben 

Der Kanton Tessin hat den SVEB mit einer Studie beauftragt, um mehr über die Nutzerinnen und Nutzer der Caffè APPrendo zu erfahren. Die Resultate sollen dabei helfen, die Lernorte weiterzuentwickeln und noch besser auf die Zielgruppe abzustimmen. 

Caffè APPrendo sind niederschwellige Lernorte mit Cafe-Atmosphäre, vergleichbar mit den Lernstuben im Kanton Zürich, und haben sich in den letzten Jahren im Tessin etabliert. Momentan gibt es im Tessin drei solche Lernorte: La Filanda in Mendrisio, La Città dei mestieri della Svizzera italiana in Bellinzona und Spazio lavoro e formazione in Lugano.  

Die Caffè APPrendo bieten sowohl Beratung als auch strukturierte Kurse, Workshops und informelle Lerngelegenheiten an. Im Zentrum stehen die Förderung der Grundkompetenzen, der Umgang mit digitalen Medien, Selbstorganisation und Handlungsorientierung. Ziel ist es, Erwachsene in ihrer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen und den Zugang zu Bildung zu erleichtern.  

Bislang ist wenig darüber bekannt, wer die Caffè APPrendo besucht, welche Bedürfnisse und Erwartungen diese Personen mitbringen und welche Faktoren die Teilnahme an den Bildungsangeboten begünstigen oder erschweren.  

Die vom SVEB durchgeführte Studie will diese Fragen klären. Dazu werden Teilnehmerbefragungen an den drei Lernorten durchgeführt. Die Resultate werden Ende 2026 vorliegen. Sie sollen dem Kanton Tessin Anhaltspunkte dafür liefern, wie die bestehenden Angebote der Caffè APPrendo gezielt weiterentwickelt und noch besser auf die Zielgruppen abgestimmt werden können.  

 

PIAAC-Daten zu Menschen mit mangelnden Grundkompetenzen

Das Bundesamt für Statistik hat einen weiteren Bericht zu den aktuellen PIAAC-Daten veröffentlicht. Er zeigt, dass geringere Grundkompetenzen mit niedrigerem Wohlbefinden und schlechterer sozialer Integration einhergehen.

In der Schweiz verfügen 15 Prozent der Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren – das sind ungefähr 844 000 Personen – über geringe Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Rechnen und adaptives Problemlösen. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind sie tendenziell seltener erwerbstätig und verdienen weniger. Zudem sind ihr Wohlbefinden sowie ihre Teilnahme am sozialen Leben niedriger als bei Personen mit höheren Kompetenzen.

Von den Erwachsenen mit geringen Kompetenzen im Alter von 16 bis 65 Jahren haben fast die Hälfte (46 Prozent) keinen nachobligatorischen Bildungsabschluss. 56 Prozent von ihnen gehören zur Altersgruppe der 46- bis 65-Jährigen. Die Kompetenzen scheinen auch mit dem sozioökonomischen familiären Hintergrund zusammenzuhängen. Die Eltern von Personen mit geringen Kompetenzen hatten seltener höhere Bildungsabschlüsse (12 Prozent bzw. 34 Prozent der Gesamtbevölkerung), qualifizierte Berufe (25 Prozent bzw. 52 Prozent der Gesamtbevölkerung) und waren öfter arbeitslos (7 Prozent bzw. 2 Prozent der Gesamtbevölkerung) als die Eltern von Personen mit höheren Kompetenzen. 

Von den Personen mit geringen Kompetenzen im Lesen, Rechnen und Problemlösen haben 38 Prozent eine der PIAAC-Testsprachen Deutsch, Französisch oder Italienisch als Hauptsprache. Bei den restlichen 62 Prozent kann ein Teil der tiefen Kompetenzwerte dadurch erklärt werden, dass sie in einer Fremdsprache an PIAAC teilgenommen haben. 

71 Prozent der Personen mit geringen Kompetenzen sind erwerbstätig, gegenüber 83 Prozent der Gesamtbevölkerung. Über 80 Prozent von ihnen gehören zu den 40 Prozent der Erwerbstätigen mit den niedrigsten Einkommen. Sie beziehen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung auch häufiger Sozialleistungen.

Die meisten Menschen in der Schweiz (86 Prozent) sind mit ihrem Leben allgemein sehr zufrieden. Bei Personen mit geringen Kompetenzen sinkt dieser Anteil auf 75 Prozent. Ausserdem schätzen sie ihren Gesundheitszustand seltener als sehr gut ein (38 Prozent) als die Gesamtbevölkerung (55 Prozent). Sie haben weniger Vertrauen in ihre Mitmenschen (33 Prozent geben an, ein starkes Vertrauen in ihre Mitmenschen zu haben bzw. 47 Prozent der Gesamtbevölkerung) und engagieren sich seltener freiwillig (19 Prozent bzw. 37 Prozent der Gesamtbevölkerung). Auch schätzen weniger von ihnen die Möglichkeiten zur politischen Mitsprache als hoch oder sehr hoch ein (33 Prozent) als die Gesamtbevölkerung (51 Prozent).

In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil mit einer Weiterbildung in den letzten fünf Jahren bei 61 Prozent, bei Personen mit geringen Kompetenzen liegt er bei nur 33 Prozent.

 

Bildung auf einen Blick 2025

Die OECD hat kürzlich ihren jährlich erscheinenden Bericht «Bildung auf einen Blick 2025» veröffentlicht. Die internationale Vergleichsstudie liefert umfassende Analysen und quantitative Indikatoren zu Bildungssystemen in über 40 Ländern – darunter auch die Schweiz.

Der Bericht thematisiert die Bildungsstrukturen, Teilnahmequoten, Finanzierung der Bildung, institutionelle Organisation sowie Bildungsübergänge. Die aktuelle Ausgabe enthält zusätzlich die Ergebnisse der PIAAC-Studie 2023, welche die Kompetenzen von Erwachsenen in den Fokus rückt. Untersucht wurde anhand der PIAAC-Ergebnisse, in welchem Ausmass Erwachsene an formaler und nicht formaler Weiterbildung teilnehmen.

Die Analysen der OECD zeigen, dass die Teilnahme an Weiterbildung stark mit dem Kompetenzniveau zusammenhängt – auch bei Personen mit demselben Bildungsstand. So haben beispielsweise 74 Prozent der Personen mit Tertiärbildung und hohen Kompetenzen in der adaptiven Problemlösung an einer Weiterbildung teilgenommen, während dieser Anteil bei Personen mit Tertiärbildung und schwachen Kompetenzen in diesem Bereich bei 42 Prozent lag. Zudem werden Unterschiede in der Weiterbildungsteilnahme zwischen Personen sichtbar, die die untersuchten Kompetenzen im Alltag oder am Arbeitsplatz häufig nutzen, und jenen, die angeben, sie in beiden Situationen eher selten einzusetzen.

Während die Teilnahme an Weiterbildung mit steigendem Kompetenzniveau in allen untersuchten Ländern zunimmt, unterscheiden sich die Teilnahmequoten weiterhin zwischen den einzelnen Ländern. Auch in der Schweiz zeigt sich der Unterschied in der Weiterbildungsteilnahme zwischen Personen, welche ihre Lesekompetenzen im Alltag häufig anwenden, und jenen Personen, die sie nicht häufig anwenden. Beide Werte liegen über dem OECD-Durchschnitt.

Der Bericht erwähnt auch, welche Hindernisse Personen mit eher tiefem Kompetenzniveau (gemäss PIAAC-Studie) an einer Weiterbildungsteilnahme erfahren. Dazu gehört insbesondere, dass viele dieser Personen nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen (können) oder in prekären Arbeitsbedingungen tätig sind, weshalb eine Weiterbildungsteilnahme nicht immer möglich ist. Dass erwerbslose Erwachsene sich weniger an Weiterbildung beteiligen, wird in allen untersuchten Ländern deutlich. Diese Personen in Weiterbildungsmöglichkeiten miteinzubeziehen, stellt gemäss dem Bericht weiterhin eine Hürde für das nicht formale Bildungssystem vieler Länder dar.

 

Stadt Luzern testet Sprachfördergutscheine für Neuzugezogene 

Wer 2026 in die Stadt Luzern zieht und sich anmeldet, hat die Möglichkeit, via Gutschein einen Sprachkurs zu besuchen. Die Stadt testet für zwei Jahre die Abgabe eines solchen Willkommensgutscheins.  

Das Pilotprojekt «Luzerner Sprachfördergutscheine» wird als Teil des Pilotprojekts «Welcome Desk» umgesetzt. Aufgrund der engen personellen und inhaltlichen Verknüpfung werden beide Projekte gemeinsam durchgeführt und bei deren Abschluss auch gemeinsam evaluiert. 

Das Projekt fokussiert die Förderung des Spracherwerbs Deutsch als Zweitsprache von erwachsenen Neuzugezogenen, deren Deutschniveau unter C1 liegt. Der Sprachfördergutschein ist also weder für Kinder und Jugendliche gedacht noch für Asylsuchende, anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene, deren Integrationsförderung in der Zuständigkeit des Kantons liegt. 

Neuzugezogene werden bei der Anmeldung in der Stadt Luzern über das Angebot der Sprachfördergutscheine informiert und erfahren, bei welchen Sprachschulen die Gutscheine eingelöst werden können. Bei Bedarf erhalten sie seit Anfang 2026 die Gutscheine am Welcome Desk der Stadt Luzern, eine neu geschaffene Anlaufstelle für Neuzugezogene. Mit den Gutscheinen soll ein Anreiz für einen möglichst raschen Spracherwerb nach dem Zuzug geschaffen und damit die soziale und berufliche Integration gefördert werden. 

 

Europäische Befragung von Berufsschullehrpersonen

Das europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop) hat im Rahmen einer europäischen Berufsschullehrkräftebefragung 14’000 Lehrkräfte aus 23 EU-Mitgliedstaaten befragt. Gemäss Cedefop ist dies die erste umfassende Befragung von Berufsschullehrkräften in der EU.

In ganz Europa ist eine Verschärfung des Lehrkräftemangels in der Berufsbildung zu verzeichnen – insbesondere in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und in den Fremdsprachen. Dafür gebe es unterschiedliche Gründe. So etwa, dass für einen Grossteil der Berufsschullehrerinnen und -lehrer (genauer: 67 Prozent), die Tätigkeit als Lehrkraft lediglich den Einstieg ins Berufsleben darstellte. Und nur 18 Prozent glauben, dass ihr Beruf wertgeschätzt werde.

Ausserdem verdienen Lehrkräfte in der Berufsbildung knapp 11 Prozent weniger als andere Arbeitskräfte mit Hochschulabschluss und haben häufiger befristete Verträge. Nur 40 Prozent sind mit ihrem Gehalt zufrieden. Dazu kommt gemäss der Befragung eine hohe Arbeitsbelastung, oftmals überfüllte Klassenzimmer und ein schwieriges Umfeld. Ohne gezielte Massnahmen besteht gemäss Cedefop die Gefahr, dass Europa bei der Vorbereitung der Arbeitskräfte auf die Wirtschaft von morgen hinter den globalen Wettbewerbern zurückbleibe.

Die aktuelle Befragung soll hier mehr Klarheit bringen. Konkret wird untersucht, wie wirksam die berufliche Weiterbildung von Lehrkräften ist, welche Qualifikationsdefizite im Bereich digitale und grüne Technologien bestehen, wie inklusiv die Unterrichtsführung ist und wie es um die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz und den Arbeitsbedingungen steht.

Die Ergebnisse werden für 2027 erwarte. Sie sollen in die Entwicklung der nationalen und europäischen Politik einfliessen und ausserdem zur Verbesserung der Programme für die berufliche Weiterbildung beitragen.

 

Podcastreihe potenziaLLL des DIE

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung DIE betreibt über seine Plattform wb-web die Podcastreihe «potenziaLLL». Darin kommen Lehrende und Mitarbeitende aus Weiterbildungseinrichtungen sowie Forschende zu Wort. Die Gespräche vermitteln Informationen und Wissenswertes aus erster Hand und geben Einblick in die Tätigkeit und die Motivation der Akteure. «potenziaLLL» will einen aktustischen Beitrag zum lebenslangen Lernen von Lehrenden leisten.

Eine Folge des Podcasts wurde dem Netzwerk Professionalisierung im DACH-Raum gewidmet, wobei es um Kompetenzanerkennung, Vernetzung und Zukunftsaussichten ging. Darin diskutierten Anne Strauch vom DIE, Christina Jacober vom SVEB und Giselheid Wagner von der Weiterbildungsakademie WBA mit Lars Kilian (DIE). Die Expertinnen berichteten aus dem Netzwerk «Professionalisierung im DACH-Raum» und erläuterten die unterschiedlichen Modelle zur Kompetenzanerkennung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei stand auch die Frage zur Diskussion, was eine Kompetenzanerkennung den Ausbildenden und Lehrpersonen überhaupt bringt. Zur Sprache kamen ausserdem die Zukunftsperspektiven der Professionalisierung und der Zusammenarbeit im DACH-Raum.

 

KI-Einsatz in Unternehmen

Eine internationale Studie liefert erstmals repräsentative Daten darüber, wie Firmen künstliche Intelligenz nutzen und welche Effekte auf die Produktivität und Beschäftigung diese feststellen und erwarten.

Die Studie des National Bureau of Economic Research (NBER) basiert auf einer repräsentativen internationalen Befragung von fast 6000 Führungskräften (insbesondere CEOs, CFOs und anderen leitenden Angestellten) aus Unternehmen in vier Ländern: USA, Vereinigtes Königreich, Deutschland und Australien. Die Befragungen fanden zwischen November 2025 und Januar 2026 statt.

Erfasst wurde unter anderem, ob und wie aktiv Unternehmen KI heute nutzen, wie intensiv Führungskräfte KI anwenden, welche Effekte auf Produktivität, Output und Beschäftigung in der Vergangenheit wahrgenommen wurden und für die Zukunft erwartet werden sowie welche Erwartungen die Arbeitnehmenden haben.

Rund 70 Prozent der befragten Firmen setzen bereits KI ein – vor allem jüngere und produktivere Unternehmen. Gleichzeitig geben viele an, dass Führungskräfte KI im Schnitt etwa 1,5 Stunden pro Woche aktiv nutzen, wobei dies seit Anfang 2025 stark zugenommen hat.

Über 80 Prozent der Unternehmen berichten jedoch auch, dass KI in den letzten drei Jahren weder spürbare Produktivitäts- noch Beschäftigungseffekte erzeugt habe. Für die kommenden drei Jahre erwarten sie hingegen signifikante Veränderungen: KI soll die Produktivität um etwa 1,4 Prozent steigern, die Output-Leistung um 0,8 Prozent erhöhen und die Beschäftigung um rund 0,7 Prozent reduzieren.
Die Beschäftigten ihrerseits sehen einen leichten Anstieg der Beschäftigung (+0,5 Prozent) voraus.

Kurz zusammengefasst, zeigt die NBER-Studie also: KI wird zwar genutzt, ihr Potenzial scheint aber in den meisten Unternehmen noch nicht ausgeschöpft. Letztere erwarten, dass die grossen Auswirkungen der Technologie noch bevorstehen.

 

Hochrangige ukrainische Delegation in der Schweiz

Eine elfköpfige Delegation, bestehend aus ukrainischen Parlamentariern sowie Vertretenden des Bildungsministeriums, besuchte Ende Januar die Schweiz und Deutschland mit dem Ziel, Impulse für das eigene Weiterbildungssystem zu erhalten.

Da es Fachkräfte mit entsprechenden Kompetenzen und Qualifikationen braucht, um die wirtschaftliche Erholung und den institutionellen Wiederaufbau in der Ukraine nachhaltig zu sichern, wird die Weiterbildung eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau einnehmen, wie die ukrainische Delegation betonte.

Als grosse Herausforderung nannte die Delegation die berufliche Integration von Rückkehrenden sowie Veteraninnen und Veteranen nach Kriegsende, da innert kurzer Zeit ein hoher Weiterbildungsbedarf entstehen wird. Ziel ist es, die Kapazitäten des Weiterbildungssystems deutlich auszubauen.

Geplant sind pilotartige Ansätze, etwa neue Qualifizierungszentren mit abgestuften Bildungsangeboten sowie flexible, modulare Ausbildungsformate. Pilotprojekte werden gemeinsam mit Bibliotheken, Hochschulen, Gemeinden und privaten Akteuren umgesetzt. Ergänzend sollen Verfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen gestärkt werden, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung wichtiger Berufsfelder. Eine enge Kooperation mit der Wirtschaft gilt dabei als zentral.

Ergänzend zu beruflichen Qualifikationen rücken Soft Skills sowie Medien- und politische Kompetenzen stärker in den Fokus. Doch auch psychische Herausforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit Kriegserfahrungen, sind zu berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund interessierte die Delegation besonders, wie Weiterbildung in der Schweiz konkret umgesetzt und institutionell verankert ist. Der Besuch bot Gelegenheit, sowohl praxisnahe Einblicke zu gewinnen als auch den Austausch mit zentralen Akteuren auf Bundesebene zu vertiefen.

Der Besuch in der Schweiz bot der Delegation nicht nur Einblicke in Strukturen und Instrumente der Erwachsenenbildung, sondern vor allem Raum für vertieften fachlichen Austausch. Die Gespräche zeigten, wie wichtig der Dialog zwischen Praxis, Verwaltung und Politik ist, um tragfähige Lösungen für komplexe Herausforderungen zu entwickeln. Der direkte Kontakt mit Bildungsinstitutionen und Bundesstellen lieferte wertvolle Impulse für die weiteren Diskussionen in der Ukraine. Gleichzeitig wurde deutlich, dass langfristige Zusammenarbeit und gegenseitiges Lernen eine zentrale Rolle für den Ausbau des Weiterbildungssystems in der Ukraine spielen.

 

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