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  • Irena Sgier, Sofie Gollob, Erik Haberzeth und Alexandre Lecoultre 3
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Aktive Filter: Kategorie: Editorial Autor: Irena Sgier, Sofie Gollob, Erik Haberzeth und Alexandre Lecoultre Alle Filter entfernen
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Diversität

Der Umgang mit Diversität gehört derzeit zu den meistdiskutierten gesellschaftlichen Themen. Verhandelt wird dabei der Anspruch, Vielfältigkeit zuzulassen, sichtbar zu machen oder aktiv zu fördern. Ziel dieses normativen Anspruchs ist meist eine inklusivere, gerechtere Gesellschaft. Diese Ausgabe der EP widmet sich der Frage, was Diversität in der Erwachsenen- und Weiterbildung bedeutet und wie sie in der Praxis gelebt wird, wobei das Augenmerk auf inklusiven Perspektiven liegt. Die Frage, wie mit Vielfalt umgegangen werden soll und kann, stellt sich in der Erwachsenenbildung seit ihren Anfängen. Eine lange Tradition hat die Beschäftigung mit Vielfalt insbesondere in Bezug auf die Heterogenität der Zielgruppen sowie die methodisch-didaktischen Konzepte. Weniger beachtet und kaum erforscht wurde bisher die Frage, wie auf organisationaler Ebene, in der Programmentwicklung oder in der Professionali­sierung und Personalentwicklung mit Diversität umgegangen wird. Diese Ausgabe der EP legt den Schwerpunkt auf die organisationale Ebene. Sie geht der Frage nach, welche Ansprüche ein inklusiver Umgang mit Diver­sität an die Weiterbildung stellt, welche Rahmenbedingungen dies erfordert und wie Diversität in der Weiterbildungspraxis gelebt und wahrgenommen wird. Wie Silke Schreiber-Barsch aufzeigt, umfasst der Begriff «Diversität» ein «komplexes semantisches Geflecht aus Schlagwörtern wie Heterogenität, Differenz, Integration oder auch Inklusion»; Begriffe, die in Wissenschaft, Praxis und Politik mit sehr unterschiedlichen Konzepten und Diskursen verknüpft sind. Die Autorin skizziert die historischen Hintergründe und benennt Orientierungslinien sowie Spannungsfelder im Umgang mit Diversität. Ulla Klingovsky und Georges Pfruender geben Einblick in das Analyse- und Interventionsverfahren der «Critical Diversity Literacy». Ziel dieses Ansatzes ist es, Normalitätsordnungen zu stören und Ausschluss- oder Diskriminierungsmechanismen aufzuspüren, um Veränderungen in den Organisationen anzustossen. Stefanie Ernst untersucht Spannungsfelder und Paradoxien diversitätsorientierter Organisationsentwicklung und zeigt anhand empirischer Befunde, mit welchen Fragen und Konflikten Weiterbildungsorganisationen dabei konfrontiert sind. Bei Nicole Kimmelmann steht das Bildungspersonal im Zentrum. Sie skizziert die Ergebnisse einer Studie zu Kompetenzanforderungen von Lehrenden für einen inklusiven Umgang mit diversen Zielgruppen; darauf gestützt formuliert sie Implikationen für die Personal- und Organisationsentwicklung in Weiterbildungseinrichtungen. Weitere Beiträge geben Einblick in den Umgang mit Diversität in der Weiterbildungspraxis. Sonja Dudek und Carolin Hagelskamp zeigen am Beispiel der Berliner «Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung», wie Diversity-Schulungen für Fachleute aussehen können. Robert Reissner gibt Einblick in den Entwicklungsprozess der Volkshochschule Leipzig zu einer diversitätssensiblen Einrichtung. Daniela Frau berichtet von der Umsetzung von Diversity-Management-Praktiken an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Zwei Beiträge legen den Akzent auf das Differenzmerkmal «Behinderung». Olivier Steiner und Fabienne Kaiser geben Einblick in die Resultate des Forschungsprojektes «Digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der beruflichen Bildung». Daphna Paz und Noémie Maibach berichten aus dem Pilotprojekt «Weiterbildung inklusiv»; diese Initiative will Weiterbildungsakteure dabei unterstützen, ihre Angebote auch für Menschen mit Sehbehinderung zugänglich zu gestalten. Kajo Wintzen schliesslich gibt Einblick in die Arbeit mit einem poesiepädagogischen Ansatz im Bereich Grundkompetenzen. Ziel dieser poetischen Interventionen ist es, die kulturelle und persönliche Identität von Menschen, die mit gesellschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert sind, zu stärken. Irena Sgier, Sofie Gollob, Erik Haberzeth und Alexandre Lecoultre

Kooperationen in der Weiterbildung

Kooperationen gehören in der Weiterbildung zum Alltag. Als Kooperation bezeichnet man die organisierte Zusammenarbeit zwischen selbständigen und unabhängigen Partnern, die – idealerweise – ein gemeinsames Ziel verfolgen und von Synergien profitieren. Für viele Weiterbildungsanbieter ist es selbstverständlich, mit anderen Bildungsorganisationen oder mit Akteuren wie Unternehmen, Behörden und Universitäten zusammenzuarbeiten, um innovative Angebote zu entwickeln, neue Zielgruppen zu erreichen oder die Digitalisierung zu bewältigen. Diese EP diskutiert Strategien, Herausforderungen und Gelingensbedingungen von Kooperationen auf der Ebene der Weiterbildungsorganisationen sowie des Weiterbildungssystems. Die Ausgabe reflektiert zudem kritisch, inwiefern der erwartete dem tatsächlichen Nutzen entspricht. Denn die beteiligten Anbieter befinden sich oft auch in einem Spannungsfeld zwischen Kooperation und Konkurrenz. In einem einleitenden Beitrag gibt Matthias Alke einen Überblick über verschiedene Formen von Kooperationen und beschreibt aktuelle Herausforderungen. Er verweist darauf, dass Kooperationen auch von teils paradoxalen Handlungslogiken geprägt sind, die einer erfolgreichen Zusammenarbeit hinderlich sein können. Regula Julia Leemann erläutert aus einer soziologischen Perspektive, wie Konventionen im Sinne von historisch gewachsenen moralischen Wertordnungen, Handlungslogiken und Gerechtigkeitsprinzipien die Qualität von Kooperationen beeinflussen. Annika Maschwitz befasst sich in ihrem Beitrag mit dem Kooperationsmanagement. Sie geht der Frage nach, welche Herausforderungen mit Kooperationen in der Weiterbildung verbunden sind und wie Kooperationen erfolgreich gestaltet werden können. Johannes Bonnes verweist auf die Rolle digitaler Plattformen im Kontext von Kooperation und Konkurrenz und die Limitierungen, die in Weiterbildungsorganisationen aufgrund der Konstruktionsweise von digitalen Plattformen bestehen. In der Rubrik «Praxis» beschreiben die Autorinnen und Autoren konkrete Umsetzungsbeispiele. Jessica Dehler Zufferey, Frédérique Chessel-Lazzarotto, Sunny Avry und Emilie-Charlotte Monnier zeigen anhand des Projekts «Digitale Bildung» im Kanton Waadt auf, wie Vertreterinnen und Vertreter von Forschung und Praxis zusammenarbeiten können, um Innovationen in der Bildung voranzubringen. Ronald Schenkel wirft einen Blick in die KV-Bildungswelt und geht der Frage nach, warum Kooperationen im Weiterbildungsbereich in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben. Luca Mollenhauer beschreibt die Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Einsatz von Open Educational Resources (OER) in der Weiterbildung, wobei er zwischen Bedingungen auf der individuellen und auf der organisationalen Ebene unterscheidet. Markus Maurer erläutert in seinem Beitrag die Rolle der Kantone bei der Förderung des Zugangs Erwachsener zu Abschlüssen der beruflichen Grundbildung. Dabei wird deutlich, dass entsprechende Ansätze eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Organisationen der Arbeitswelt und den zuständigen Schulen erfordern. Annique Bello reflektiert das Potenzial von Kooperationen in der Arbeitsintegration am Beispiel von Pôle Industrie. Das in der Westschweiz ansässige Bildungszentrum arbeitet eng mit Unternehmen aus der Region Neuenburg zusammen, um geeignete Weiterbildungen zu konzipieren. Im abschliessenden Beitrag bescheinigt Bernhard Grämiger der Schweiz eine Weiterbildungspolitik ohne klare Prioritäten und argumentiert dafür, ein Koordinationsgremium zu schaffen, in dem alle relevanten Akteure der Weiterbildung einbezogen werden. Ziel dieser EP ist es, das Potenzial von Kooperationen in der Weiterbildung aufzuzeigen. Dabei müssen teils grosse Hürden überwunden werden, damit die Zusammenarbeit tatsächlich gelingt. Ein Blick in die Praxis zeigt, wie sehr eine erfolgreiche Kooperation des fortlaufenden Engagements aller beteiligter Partner bedarf. Die Redaktion wünscht Ihnen eine inspirierende Lektüre. Irena Sgier, Sofie Gollob, Erik Haberzeth und Alexandre Lecoultre

Individualisierung in der Weiterbildung

In der Soziologie wird seit den 1960er Jahren von zunehmenden Individualisierungstendenzen gesprochen. Den unterschiedlichen Konzepten, die der oft kontroversen Diskussion um diese Entwicklung zugrunde liegen, ist gemein, dass sie dem Individuum in der Gesellschaft wachsende Bedeutung zuschreiben. Dabei wird der einzelne Mensch mit seinen Bedürfnissen, Entscheidungen und Lebensentwürfen als zunehmend eigenverantwortliches, autonomes Individuum begriffen. Aus diesen Analysen lassen sich sehr unterschiedliche Schlüsse ziehen. Während die einen Individualisierung als wachsende Autonomie und Befreiung aus einengenden Strukturen oder Konventionen verstehen, nehmen andere dieselbe Entwicklung als Vereinzelung wahr und befürchten wachsenden Egoismus, Orientierungslosigkeit oder den Zwang zur Selbstoptimierung. Bei aller Unterschiedlichkeit haben die diversen Zeitdiagnosen eines gemeinsam: Sie sehen die Individualisierung als langfristigen, tiefgreifenden, widersprüchlichen gesellschaftlichen Prozess. Parallel zu dieser gesellschaftlichen Entwicklung beschäftigt sich auch die Erwachsenenbildung seit langem mit Individualisierungsprozessen, wie Birte Egloff im einleitenden Beitrag zu dieser EP zeigt: Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lässt sich eine Tendenz beobachten, Erwachsene in der Bildungsarbeit zunehmend als eigenständige Subjekte wahrzunehmen, die selbst über ihre Biografie und damit auch über ihre Lernbedürfnisse entscheiden. Auf didaktischer Ebene zeigt sich diese Tendenz unter anderem im Anspruch der Teilnehmerorientierung. Weitere Anschlüsse an die gesellschaftliche Individualisierung ortet Egloff in didaktischen Konzepten wie jenem der Selbststeuerung sowie in der zunehmenden Bedeutung der Biografie- und Lebensweltorientierung in der Erwachsenenbildung. Ausgehend von dieser einleitenden Differenzierung und Kontextualisierung des Individualisierungsbegriffs gibt diese EP Einblick in Möglichkeiten, Risiken und Grenzen der Individualisierung. Gilles Pinte analysiert einige Reformen der beruflichen Weiterbildung in den letzten 30 Jahren in Frankreich und zieht mit Blick auf den Individualisierungsprozess, der den Reformen zugrunde liegt, eine durchzogene Bilanz. Kritische Fragen stellen auch Kenneth Horvath, Andrea Isabel Frei und Mario Steinberg in ihrer Auseinandersetzung mit der verbreiteten Erwartung, dass die radikale Personalisierung von Bildungsprozessen mittels künstlicher Intelligenz zu mehr Gerechtigkeit führen würde. In weiteren Dossier-Beiträgen gehen die Autorinnen und Autoren den Potenzialen der Individualisierung nach. So analysiert Tim Stanik die traditionellen Antworten der Weiterbildung auf die Herausforderungen der Individualisierung. Kerstin Kupka und Mareike Kholin zeigen, wie Individualisierung mit Hilfe technologischer Plattformen in der Förderung der Grundkompetenzen aussehen kann. Im Praxisteil geben die Autorinnen und Autoren Einblick in konkrete Erfahrungen mit der Individualisierung auf unterschiedlichen Gebieten. Thematisiert werden die Umsetzung individualisierter Lernangebote auf dem Hintergrund der Covid-Pandemie (Ronald Schenkel), technologische Lösungen zur Personalisierung des Lernens (Christoph Meier), Erfahrungen mit der individuellen Förderung des Lerntransfers im Betrieb (Marcel Lemp und Susan Göldi) sowie die Personalisierung der Hochschullehre (Klaus Joller-Graf). In der Carte Blanche zeigt Geri Thomann, wie Metaphern in Bildungsorganisationen genutzt werden können, um verdeckte Muster beschreibbar zu machen und schwierige Themen zur Sprache zu bringen. Mit dieser EP möchten wir einen Beitrag leisten zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit Möglichkeiten und Grenzen von Individualisierungsprozessen in der Weiterbildung. Irena Sgier, Sofie Gollob, Erik Haberzeth und Alexandre Lecoultre

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