26.04.2021
N°1 2021

Diverses

Tagungsreihe «Weiterbildung in Forschung und Praxis»

Vor fünf Jahren haben der SVEB, die PH Zürich und die PH FHNW eine gemeinsame Tagungsreihe ins Leben gerufen mit dem Ziel, den Wissenstransfer und den Dialog zwischen Forschung und Praxis der Weiterbildung zu fördern.

Im Januar 2021 hat die vierte Tagung im Rahmen dieser Reihe – coronabedingt online – stattgefunden. Im Zentrum stand ein Thema, das den Weiterbildungsbereich seit über einem Jahr intensiv beschäftigt: «Verwerfungen und Möglichkeiten. Weiterbildung vor, während und mit Corona.»

Drei Keynotes von Prof. Katrin Kraus (PH FHNW, jetzt Universität Zürich), Prof. Bernd Käpplinger (Universität Giessen) und Prof. Anke Grotlüschen (Universität Hamburg) spannten den Bogen vom historischen Rückblick auf frühere Verwerfungen über die Herausforderungen der Programmplanung unter Krisenbedingungen bis zu den weitreichenden Folgen der digitalen Transformation für die Weiterbildung. Ein digitaler Open Space sowie Diskussionsrunden mit Personen aus Wissenschaft und Praxis boten den rund 100 Teilnehmenden Gelegenheit, die Implikationen der Pandemie für die eigene Praxis zu diskutieren.

Dabei wurde deutlich, dass ein Jahr Pandemie mit monatelangem Präsenzverbot die Weiterbildung gründlich aus ihren gewohnten Bahnen geworfen und vieles verhindert, mit dem unfreiwilligen Digitalisierungsschub aber auch neue Möglichkeiten geschaffen hat. Darunter solche, die – wie im Fall der zunehmenden Macht der Digitalwirtschaft – für die Weiterbildung beunruhigende Fragen aufwerfen. Ob die Vor- oder die Nachteile überwiegen, hängt von Kontext und Perspektive der Akteure ab und ist noch kaum schlüssig zu beantworten.

Von der Tagung mitnehmen lässt sich zudem die Einsicht, dass es sich gerade in Krisenzeiten mit ungewissen Zukunftsaussichten lohnen kann, einen Blick zurück zu werfen. Wenn, wie die Geschichte zeigt, Erwachsenenbildung oft ein Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen ist, dann könnte es sein, dass gerade jetzt in der Weiterbildung lesbar wird, was in naher Zukunft auf die Gesellschaft zukommt.

Die nächste Ausgabe der Tagung findet im Januar 2022 statt. (is)

Netzwerk Weiterbildungsforschung

Seit 2016 existiert das Netzwerk Weiterbildungsforschung mit dem Ziel, den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis in der Weiterbildung zu intensivieren. Das Netzwerk, dem derzeit rund 70 Personen angehören, will den Transfer von Forschungsresultaten in die Praxis fördern und umgekehrt dazu beitragen, dass Anliegen aus der Praxis in der Weiterbildungsforschung besser wahrgenommen werden.

Das Netzwerk Weiterbildungsforschung wird von Prof. Erik Haberzeth (PH Zürich), Prof. Katrin Kraus (Universität Zürich) und Irena Sgier (SVEB) organisiert. Es steht allen Interessierten aus Wissenschaft und Praxis offen, eine formelle Mitgliedschaft ist nicht nötig.

An regelmässigen, meist halbjährlichen Treffen werden aktuelle Forschungsresultate präsentiert. Vorschläge für Themen oder konkrete Forschungsprojekte, die im Netzwerk vorgestellt werden können, sind willkommen.

Die Treffen finden in Zürich statt. In der Romandie und in der italienischen Schweiz sind ab diesem Jahr ebenfalls Netzwerktreffen geplant. (is)

Neues Konzept für die Ressortforschung zur Weiterbildung

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI hat für die Ressortforschung der nächsten vier Jahre ein Konzept erstellt und Schwerpunktthemen definiert.

Ziel der Ressortforschung ist es, Grundlagenwissen für die politischen Strategien des Bundes zu generieren. Finanziert werden können Tätigkeiten in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Demonstration, Evaluation und Erstellung von Expertisen.

Im Forschungskonzept des SBFI für die Jahre 2021–2024 werden für die Weiterbildung folgende Themenschwerpunkte definiert:

  • Digitalisierung in der Weiterbildung
  • Weiterbildung im Lebenslauf
  • Professionalisierung des Weiterbildungspersonals

Die Ressortforschung bildet zusammen mit den Erhebungen des Bundesamtes für Statistik die Basis für das Monitoring der Weiterbildung gemäss Weiterbildungsgesetz (WeBiG Art. 19).

Das SBFI kann Forschungs- und Entwicklungsaufträge vergeben und Expertisen in Auftrag geben. Zudem besteht die Möglichkeit, Projektanträge zu den vom SBFI definierten Schwerpunktthemen einzureichen. (is)

«Transfer»: Ergebnisse aus der Berufsbildungsforschung

Die schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung SGAB publiziert seit 2016 einen Newsletter mit Fachbeiträgen zur Berufsbildungsforschung. Die Publikation erscheint seit Kurzem in überarbeitetem Konzept unter dem neuen Namen «Transfer: Berufsbildung in Forschung und Praxis». Es werden auch Forschungsbeiträge zur berufsorientierten Weiterbildung aufgenommen.

«Transfer» richtet sich an Personen, die in Forschung oder Praxis der Berufsbildung tätig oder an dieser interessiert sind. (is)

Emeritierung Prof. Philipp Gonon

Im Jahr 2004 übernahm Philipp Gonon den damals neu eingerichteten Lehrstuhl für Berufsbildung am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Zürich. Es ist bis heute der einzige Lehrstuhl dieser Art in der Schweiz geblieben.

Zu den Arbeitsschwerpunkten von Philipp Gonon gehörten neben der Entwicklung der Berufsbildung die Verbindung zwischen Berufsbildung und Weiterbildung, international vergleichende Perspektiven sowie die Analyse von Rahmenbedingungen und bildungspolitischen Entwicklungen in der Berufs- und Weiterbildung.

In der Weiterbildung wurde Philipp Gonon insbesondere als Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Praxis geschätzt. In zahlreichen Projekten war er auch für den SVEB ein wichtiger Partner und Experte, der die Entwicklung der Weiterbildung intensiv verfolgte und immer bereit war, sein Wissen auch ausserhalb der akademischen Welt einzubringen. Während mehrerer Jahre hat Philipp Gonon zudem als Mitglied der Redaktionskommission die EP mitgeprägt, wofür ihm an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt sei.

Nach 15 Jahren hat Philipp Gonon seinen Lehrstuhl altershalber abgegeben. Am 1. Mai 2021 hat Prof. Katrin Kraus seine Nachfolge übernommen. Sie leitete bisher das Institut Weiterbildung und Beratung an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW). Mit dem Wechsel wird auch der Lehrstuhl umbenannt: Er heisst neu «Lehrstuhl für Berufs- und Weiterbildung». Auch das eine – aus Weiterbildungssicht – höchst erfreuliche Entwicklung. Wir stellen Prof. Katrin Kraus und ihre Arbeitsschwerpunkte an der Universität Zürich in der nächsten EP vor. (is)

Evaluation des Weiterbildungsgutscheins im Kanton Genf

Der Kanton Genf fördert die Weiterbildungsaktivität seiner Bevölkerung seit 2001 mit Weiterbildungsgutscheinen (Cheque annuel de formation CAF). Alle fünf Jahre lässt der Regierungsrat diese Förderung evaluieren. Im März ist nun der vierte Evaluationsbericht erschienen. Dieser zeigt erstmals einen leichten Rückgang der Nachfrage nach Gutscheinen. Erklärt wird der Rückgang aber nicht mit sinkendem Weiterbildungsbedarf, sondern mit Änderungen in der Förderpraxis.

Die Evaluatoren formulieren verschiedene Empfehlungen für die weitere Förderpraxis, darunter eine stärkere Ausrichtung auf berufsorientierte Weiterbildungen, und zwar durch die Senkung des Gutscheinbetrags für nicht abschlussbezogene Kurse. Weitere Empfehlungen zielen auf eine verstärkte Förderung formal gering qualifizierter Personen.

Genf ist der einzige Kanton der Schweiz, der ein unbefristetes Gutscheinsystem zur Förderung der Weiterbildungsbeteiligung besitzt. Die Gutscheine stehen allen im Kanton wohnhaften Erwachsenen, deren steuerbares Einkommen einen bestimmten Betrag nicht übersteigt, zur Verfügung (vgl. auch den Beitrag Haberzeth/Sgier in dieser EP). (is)

GRALE IV: Weltweite Entwicklung der Weiterbildungsbeteiligung

Der vierte Weltbericht zur Erwachsenenbildung (Global Report on Adult Learning and Education) liegt nun auch in Deutsch vor. Dieser vom UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen erstellte globale Monitoringbericht gibt einen Überblick über die Bildungsbeteiligung von Erwachsenen in Bezug auf Chancengerechtigkeit und Inklusion in 159 Staaten. Der erste Teil des Berichtes widmet sich den Fortschritten bei der Umsetzung des Aktionsrahmens von Belém, der anlässlich der letzten Weltkonferenz für Erwachsenenbildung CONFINTEA 2009 in Brasilien verabschiedet wurde. Im zweiten Teil steht die thematische Analyse der Teilnahme in den befragten Ländern im Zentrum.

Der Bericht kommt zum Schluss, dass trotz einiger Fortschritte weiterhin erhebliche Mängel bei der Förderung der Chancengleichheit bestehen. Handlungsbedarf wird insbesondere bei der Finanzierung und der politischen Unterstützung geortet. Gravierende Mängel stellt der Bericht zudem bezüglich der Datenlage zur Weiterbildungsbeteiligung fest.

Positiv vermerkt werden Fortschritte in den Bereichen Alphabetisierung. Der Digitalisierung attestieren die Autoren ein grosses Potential zur Förderung der Bildungsteilnahme von Erwachsenen. Sie weisen aber auch auf die Gefahr einer weltweit zunehmenden digitalen Spaltung der Gesellschaft hin.

Die nächste Weltkonferenz CONFINTEA findet 2022 in Marokko statt. Im Zentrum wird auch dort die Bildungsbeteiligung von Erwachsenen stehen. (is)

UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen (2021): 4. Weltbericht zur Erwachsenenbildung. Niemand soll zurückbleiben: Teilnahme und Teilhabe. Hamburg

Aktuelles aus dem SVEB

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weiterbildung

Im Rahmen der jährlichen Anbieterbefragung hat der SVEB im Sommer 2020 erstmals quantitative Daten zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weiterbildung in der Schweiz erhoben. Die bei 549 Anbietern durchgeführte Umfrage ergab, dass sich die wirtschaftliche Situation zwischen März und Juli/August deutlich eingetrübt hat. Während des dreimonatigen Verbots von Präsenzunterricht im Frühling 2020 hatte über die Hälfte des Weiterbildungsangebotes nicht stattfinden können. Im Sommer erwartete ein Grossteil der Anbieter, dass die Nachfrage bis Ende 2020 sinken würde. Durchschnittlich wurde mit Umsatzeinbussen von fast 30% gerechnet. Gleichzeitig haben sich viele Weiterbildungsanbieter in der Krise als äussert anpassungsfähig erwiesen. Bis im Sommer 2020 haben 85 Prozent der Anbieter ihr Angebot infolge der Pandemie angepasst. Mehrheitlich stellten sie das Angebot teilweise oder ganz auf Onlineunterricht um. Im April 2021 führte der SVEB eine zweite Befragung durch mit dem Ziel, die Einschätzungen vom Sommer 2020 zu überprüfen und die Auswirkungen der Pandemie für das gesamte 2020 zu untersuchen.

Die Weiterbildungsstudie 2020/2021 wurde im Januar 2021 publiziert und steht auf der Website des SVEB zum Download bereit. Erste Ergebnisse der Befragung 2021 stehen ab Juni zur Verfügung. (sg)

Weiterbildung in KMU

Der SVEB hat in Kooperation mit dem Schweizerischen Gewerbeverband sgv, KMU Next und digitalswitzerland die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weiterbildung in KMU untersucht. Die bei 125 KMU zwischen Dezember und Januar 2021 durchgeführte Online-Umfrage hat ergeben, dass zwei Drittel der befragten Unternehmen der Weiterbildung einen grossen Stellenwert zuschreiben, um mit den Auswirkungen der Pandemie umzugehen. Die Mehrheit der befragten Betriebe ist der Ansicht, die Pandemie habe die Anforderungen an die Kompetenzen ihres Personals verändert, und zwar insbesondere in den Bereichen: Kompetenzen für agiles Arbeiten, soziale und kommunikative Kompetenzen sowie digitale Kompetenzen. Bei einem Drittel der KMU hat der Weiterbildungsbedarf zugenommen. Die Hälfte der befragten Unternehmen ist zudem der Ansicht, sie bräuchten mehr Wissen über die Kompetenzen der Zukunft, um den Weiterbildungsbedarf ihres Personals effektiv einschätzen und decken zu können.

Die Studie «Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weiterbildung in KMU» wurde Ende April 2021 publiziert und ist online verfügbar. (sg)

SVEB.space: Selbstorganisierter Austausch im digitalen Raum

Da sich viele Weiterbildungsanbieter infolge der Corona-Pandemie gezwungen sahen, auf Online-Unterricht umzustellen, hat der SVEB eine kostenlose digitale Austauschplattform zum Thema «Digitales Lernen und Unterrichten» lanciert. Das Prinzip der Plattform beruht auf dem selbstorganisierten Austausch. Kursleitende und weitere Interessierte aus der Weiterbildung können im SVEB.space Themen vorschlagen, zu denen sie entweder selbst etwas lernen wollen oder anderen etwas beibringen können. Ziel ist es, interessierte Mitlernende zu finden, um gemeinsam eine Veranstaltung zu planen und sich zu einem Thema auszutauschen. Der SVEB.space ist auf grosses Interesse gestossen. Seit der Lancierung der Plattform haben rund 15 selbstorganisierte Veranstaltungen zu Themen wie «Gestaltung virtueller Gruppenarbeiten» oder «Virtuelle Icebreaker & Methoden zum Kennenlernen» stattgefunden. (sg)

Webinar-Reihe Mobiles Lernen

Das coronabedingte Präsenzverbot für die Weiterbildung hat die Förderung von Zielgruppen mit geringen sprachlichen oder digitalen Grundkompetenzen stark erschwert. Aus diesem Grund erteilte das Staatssekretariat für Migration SEM dem SVEB und der fide-Geschäftsstelle im Sommer 2020 den Auftrag, eine Webinar-Reihe zu entwickeln, um Kursleitende im Integrationsbereich bei der Digitalisierung ihrer Angebote zu unterstützen.

Da ein Grossteil der Zielgruppe kaum Zugang zu elektronischen Geräten hat, die meisten aber über ein Smartphone verfügen, wurde entschieden, die Webinare für Kursleitende im Bereich Integrationsförderung ganz auf das mobile Lernen via Smartphone auszurichten. Entstanden sind drei Webinare: eines zu den technologischen Grundlagen für mobiles Lernen, eines zur Planung und Umsetzung von Lernsequenzen für gering literalisierte Erwachsene und eines zur Methodik und Kommunikation beim mobilen Lernen.

Die Webinar-Reihe wurde in Deutsch, Französisch und Italienisch entwickelt und mehrfach durchgeführt. Die Aufnahmen der Webinare sind online frei verfügbar. (is)

Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen in der Weiterbildung

Öffentliche Aufträge für Weiterbildungsleistungen werden in der Regel über Ausschreibungen vergeben. Seit einigen Jahren ist dabei der Preis zum wichtigsten oder gar einzigen Vergabekriterium geworden, was zu Abstrichen bei der Qualität führen kann. Darunter leiden nicht nur die Weiterbildungsprogramme bzw. die Teilnehmenden, es führt auch zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für das Weiterbildungspersonal.

Von dieser Entwicklung betroffen sind insbesondere Weiterbildungen zur sozialen und beruflichen Integration. Bereiche also, die gerade im Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie an Bedeutung gewinnen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern der SVEB und die Gewerkschaft Unia eine Anpassung des Ausschreibungsverfahrens. Neben der höheren Gewichtung der Qualität werden weitere Anpassungen wie bspw. eine längere Dauer der Leistungsaufträge gefordert. Ein entsprechend angepasstes Ausschreibungsverfahren soll es den Anbietern ermöglichen, sowohl die Qualität der Dienstleistungen als auch gute Arbeitsbedingungen für ihr Personal zu garantieren. (is)

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