23.11.2021
N°2 2021
  • Praxis

Bücher

Porträt Weiterbildung in der Schweiz

Mit der Buchreihe «Länderporträts» stellt das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung DIE kompakte Übersichten zur Situation und Entwicklung der Weiterbildung in verschiedenen Ländern bereit. Zurzeit sind 18 Porträts verfügbar, die alle nach derselben Struktur aufgebaut sind, was rasche Vergleiche erlaubt und länderspezifische Eigenheiten erkennen lässt. Neben der Bereitstellung von Informationen aus unterschiedlichsten Ländern will das DIE mit der Buchreihe auch internationale Kooperationen anregen.

Das schweizerische Porträt erscheint im Herbst 2021 in vierter, umfassend überarbeiteter Auflage. Es bietet einen Überblick über die aktuelle Situation und die Rahmenbedingungen der Weiterbildung in der Schweiz. Neben den Institutionen und ihren Angeboten werden auch Themen wie Finanzierung, Professionalisierung oder internationale Vernetzung behandelt. Eine kurze Darstellung aktueller Tendenzen zeigt, in welche Richtungen sich die Weiterbildung in den nächsten Jahren entwickeln könnte.

Das Porträt steht als Open-Access-Publikation in Deutsch und Französisch zur Verfügung. Es kann auch als gedrucktes Buch bezogen werden.

Sgier, Irena / Schläfli, André / Grämiger, Bernhard (2022): Porträt Weiterbildung Schweiz, Bielefeld: wbv

Bezug: www.alice.ch/de/informiert-bleiben/publikationen/

 

Kompetenzverschiebungen im Digitalisierungsprozess

Diese Studie befasst sich mit dem Wandel von Tätigkeiten an betrieblichen Arbeitsplätzen infolge der Digitalisierung. Das Autorenteam untersucht anhand von sechs Betriebsfallstudien aus den Bereichen Logistik und Detailhandel, wie sich die Tätigkeiten verändern und welche Kompetenzverschiebungen dies nach sich zieht.

Im Zentrum der Studie stehen die Beschäftigten, sie werden als Expertinnen und Experten ihrer Arbeit betrachtet. Auf der Basis dieses subjektbezogenen Zugangs geht die Studie der Frage nach, wie Beschäftigte mit den Veränderungen ihrer Arbeitstätigkeit umgehen. Ausgangspunkt ist also nicht, welche Kompetenzen die Beschäftigten aus einer Aussenperspektive erwerben müssen, um die Digitalisierung zu bewältigen, sondern umgekehrt: «Was tun und können die Beschäftigten und wie müssten die Arbeitsbedingungen gestaltet sein, damit sie ihre Kompetenzen, die aus der täglichen Arbeits- und Lebenspraxis gewonnen werden, tatsächlich einbringen und vor allem auch entwickeln können? Und wie kann betriebliche Weiterbildung dabei unterstützen?» Im Zentrum steht nicht die Anpassungsqualifizierung des Personals, sondern «die Gestaltung guter Arbeit unter den Bedingungen der Digitalisierung».

Aufgrund ihrer Analysen kommen die Autoren u.a. zum Schluss, dass die Möglichkeiten einer umfassenden sinnlichen Wahrnehmung, erfahrungsbasierten Handelns und wissenschaftsorientierten Problemlösens eine zentrale Rolle für kompetentes Handeln spielen. Diese Möglichkeiten sind, wie die Studie belegt, auch für Beschäftigte zentral, die unter hochtechnisierten Bedingungen arbeiten oder in Arbeitsbereichen tätig sind, die eher ausführende Funktionen beinhalten.

Neben der wissenschaftlichen Analyse verfolgt die Studie auch das Ziel, Anstösse für die Entwicklung der Weiterbildung zu geben. Dazu entwerfen sie «Leitlinien eines personalzentrierten Ansatzes betrieblicher Weiterbildung im digitalen Wandel». Teil dieser Leitlinien ist ein erweitertes Kompetenzprofil, das die Besonderheiten der Digitalisierung aufnimmt.

Umbach, Susanne / Haberzeth, Erik / Böving, Hanna / Glass, Elise (2020): Kompetenzverschiebungen im Digitalisierungsprozess. Veränderungen für Arbeit und Weiterbildung aus Sicht der Beschäftigten. Bielefeld: wbv

Bezug: www.wbv.de/openaccess

 

Mit allem rechnen. Improvisieren in der Bildungsarbeit

Improvisation kennt man vor allem aus der Kunst, wo sie meist positiv gewertet wird. Anders in der Bildung: Hier gilt Improvisation, wie die Herausgeber feststellen, häufig als Indikator des Mangels oder der Orientierungslosigkeit und wird mit dem Kompensieren vermeintlicher Fehlplanungen assoziiert. Aus Sicht der Autorinnen und Autoren wird diese Sichtweise den vielseitigen Facetten und Interpretationsmöglichkeiten von Improvisation nicht gerecht, denn: «Improvisation wirkt der scheinbaren Planbarkeit oder Vollständigkeit des zu Lernenden entgegen, schafft Räume für spontane Entwicklungen, Irrtümer, Korrekturen und Kreativität.»

Das Buch ist während der Covid-Pandemie entstanden, zu einer Zeit also, da der gesamte Weiterbildungsbereich aus seinen gewohnten Bahnen geworfen wurde und viele gezwungen waren zu improvisieren, weil sie ihre Angebote infolge des Präsenzverbotes nicht wie geplant umsetzen konnten.

Die Beiträge reflektieren, welche Funktionen improvisierendes Handeln im Kontext von Lernen und Lehren an Hochschulen und in der Erwachsenenbildung einnehmen kann. Sie gehen dem Verhältnis zwischen Improvisieren und Planen nach und fragen auch nach der «Improvisationskompetenz». Zwar gehörten improvisierendes Handeln und der Umgang mit Unvorhersehbarem schon vor der Pandemie zur täglichen Bildungsarbeit, pädagogische Modelle dafür gab es aber kaum. Umso aufschlussreicher sind die Einblicke in Improvisationserfahrungen aus unterschiedlichsten Bereichen.

Geschrieben wurde dieser anregende Sammelband von Expertinnen und Experten der Improvisation in Bildung und Kunst. Sie behandeln Themen wie «Improvisieren, Planen und Scheitern in der Pädagogik», «Nonlineares Denken und Handeln», «Jazzagogik» oder den «Clinch mit der Improvisation – Rollenfindung zwischen Loslassen und Kontrolle». Passenderweise enthält der Band auch eine künstlerische Umsetzung des Themas «Improvisieren».

Thomann, Geri / Honegger, Monique (2021): Mit allem rechnen. Improvisieren in der Bildungsarbeit. Bern: hep

 

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