23.11.2021
N°2 2021
  • Praxis

Kurzmeldungen

CONFINTEA VII 2022: Unesco-Weltkonferenz für Weiterbildung in Marokko

Alle zwölf Jahre organisiert die UNESCO die Weltkonferenz für Weiterbildung CONFINTEA (Conférence Internationale sur l’Education des Adultes). Die CONFINTEA VII, welche 2022 in Marokko stattfindet, widmet sich der weltweiten Bildungsbeteiligung von Erwachsenen. Ziel der einzigen globalen Konferenz für Erwachsenenbildung ist es, jeweils einen für alle Mitgliedsländer gültigen Konsens über den Zustand und die Entwicklungsziele der Erwachsenenbildung zu gewinnen.

An der letzten CONFINTEA im 2009 verabschiedeten 144 Staaten ein politisches Abschlussdokument, den Belém-Aktionsrahmen. Dieses Dokument legt den Fokus auf die Weiterbildung für nachhaltige Entwicklung. Im Jahr 2017 fand in der Republik Korea die Konferenz zum Mid-Term Review of CONFINTEA VI statt. Sie untersuchte, welchen Beitrag die Weiterbildung zur Umsetzung der Agenda Bildung 2030 leisten kann und legte damit die Basis für die CONFINTEA VII von 2022.

Ergänzend zur CONFINTEA publiziert die UNESCO seit 2009 alle drei Jahre einen Weltbericht zur Erwachsenenbildung (Global Report on Adult Learning and Education GRALE). Die aktuelle Ausgabe – GRALE IV – widmet sich dem Thema Weiterbildungsbeteiligung. Der Bericht mit dem Titel «Niemand soll zurückbleiben. Teilnahme und Teilhabe» steht online zur Verfügung.

Der SVEB wird als Teil der Schweizer Delegation an der CONFINTEA VII in Marokko teilnehmen. Im Vorfeld lädt der SVEB Weiterbildungsakteure ein, sich im Rahmen verschiedener Workshops mit zentralen Themen der Konferenz und deren Implikationen für die Schweiz auseinanderzusetzen. Alle Akteure sind zudem aufgefordert, ihre Anliegen in den CONFINTEA-Prozess einzubringen. Der SVEB bringt die Resultate der Workshops in den Vorbereitungsprozess zur CONFINTEA VII ein. (sg)

 

Ältere Stellensuchende: Weiterbildungsaktivität entscheidend

Die im Sommer 2021 publizierte AMOSA-Studie «Herausforderungen und Chancen für ältere Stellensuchende» untersucht die Situation von älteren Stellensuchenden in elf Deutschschweizer Kantonen. Dazu wurden 750 Stellensuchende und 300 Arbeitgeber befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass ältere Arbeitnehmende nicht häufiger ihre Stelle verlieren als jüngere, bei einem Stellenverlust jedoch oft mehr Mühe haben, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies hängt stark mit den steigenden Bildungsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt zusammen. Bei vielen Arbeitnehmenden sinkt die Weiterbildungsaktivität mit zunehmendem Alter. Zudem verfügen gerade Geringqualifizierte oft nicht über die erforderlichen Bildungsabschlüsse. Vor diesem Hintergrund rückt die Studie die Bedeutung von Umschulungen, Höherqualifizierungen und Weiterbildungen in den Fokus. Dabei sehen die Studienautorinnen die Verantwortung einerseits bei den Stellensuchenden, sich kontinuierlich weiterzubilden. Andererseits müssten aber auch die Arbeitgeber sowie Bund und Kantone die nötigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Erwerbsintegration schaffen.

AMOSA steht für die Arbeitsmarktbeobachtung der Kantone Aargau, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graubünden, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich.

 

Bildungs- und Lernbedürfnisse im Alter

Lebenslanges Lernen bedeutet nicht nur, nach der Ausbildung und während des Berufslebens Weiterbildungen anzustreben, sondern geht auch nach dem Berufsausstieg weiter. Der im September 2021 publizierte Bericht «Bildungs- und Lernbedürfnisse im Alter» weist auf das grosse Potenzial des lebenslangen Lernens für die Gesundheit und die Ressourcen von Seniorinnen und Senioren hin. Der Bericht hebt hervor, dass sich die Zielgruppe der über 60-Jährigen durch eine Vielfalt an Lernbedürfnissen auszeichnet, was eine entsprechende Vielfalt im Bildungsangebot erfordert. Insbesondere sozioökonomische Unterschiede wie das Bildungs- und Einkommensniveau müssen bei der Planung und Umsetzung von Angeboten berücksichtigt werden, da sich die bereits im Erwerbsleben bestehende Bildungsungleichheit im Pensionsalter fortsetzt. Die Ergebnisse des Berichts beruhen auf einer schweizweit repräsentativen Befragung von 1004 Personen ab 60 Jahren im Jahr 2020.

Schweizerischer Verband für Seniorenuniversitäten/Verband der Schweizerischen Volkshochschulen/Zentrum für Gerontologie, Universität Zürich (Hrsg.): Bildungs- und Lernbedürfnisse im Alter. Bericht zur nationalen Befragungsstudie in der Schweiz. Bern 2021.

 

Leitfaden zur Förderung kultureller Teilhabe

«Kulturelle Teilhabe» hat sich in den letzten Jahren zu einem Schlüsselbegriff der kultur- und gesellschaftspolitischen Debatte entwickelt. «Kulturelle Teilhabe» bedeutet, dass Menschen die Möglichkeit haben sollen, sich einzeln oder in Gruppen mit Kultur auseinandersetzen, sich nach eigenen Vorstellungen kulturell ausdrücken und das kulturelle Leben mitgestalten zu können. Der Nationale Kulturdialog hat im September 2021 einen Leitfaden zur Förderung der kulturellen Teilhabe veröffentlicht. Er richtet sich an private und öffentliche Kulturförderstellen und bietet konkrete Empfehlungen und Instrumente für eine effektive und nachhaltige Förderung der kulturellen Teilhabe. Dazu gehören konkrete Anregungen, wie die Kompetenzen einer Förderstelle erweitert und die Teilhabeorientierung von Kulturinstitutionen und Projekten unterstützt, gefördert und begleitet werden können.

Die Publikation wird vom Bundesamt für Kultur (BAK) in Deutsch, Französisch und Italienisch zur Verfügung gestellt.

 

EHB wird zur Hochschule für Berufsbildung

Das bisherige Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB heisst seit dem 1. August 2021 Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung. Das Hochschulinstitut war 2007 aus dem 1972 gegründeten Schweizerischen Institut für Berufspädagogik (SIBP) hervorgegangen.

Mit dem vom Parlament bewilligten Gesetz über die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung (EHB-Gesetz) wird sie nun zur pädagogischen Hochschule aufgewertet. Damit ist sie die einzige ihrer Art in der Verantwortung des Bundes. Da sie in den Geltungsbereich des Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetzes fällt, muss sie sich bis Ende 2022 akkreditieren.

Die EHB ist das schweizerische Kompetenzzentrum für die Berufsbildung und zeichnet sich durch ihre Nähe zur beruflichen Praxis aus. Sie stellt Aus- und Weiterbildungen für Berufsfachschullehrpersonen, Prüfungsexperten und weitere Fachleute in der Berufsbildung bereit. Die EHB betreibt das grösste schweizerische Forschungszentrum für Berufsbildung, begleitet die Organisationen der Arbeitswelt bei der Berufsentwicklung und unterstützt die internationale Berufsbildungszusammenarbeit.

Aufgrund ihres nationalen Auftrags verfügt die EHB über fünf Standorte in drei Sprachregionen. (sg)

Medienmitteilung der EHB: www.ehb.swiss/medienmitteilung-hochschule

 

Ausschreibung SGAB-Berufsbildungspreis für Forschungstransfer in die Praxis

Die Schweizerische Gesellschaft für Angewandte Berufsbildungsforschung SGAB schreibt einen Anerkennungspreis aus, um anwendungsorientierte Forschungsprojekte in der Berufsbildung zu fördern. Der Anerkennungspreis wird dieses Jahr zum zweiten Mal ausgeschrieben. Er stärkt den Dialog zwischen der Berufsbildungsforschung und der Bildungspraxis und soll zu forschungsgestützten Innovationen in der Praxis beitragen. Teilnahmeberechtigt sind Projekte mit starkem Bezug zur Berufsbildung in der Schweiz. Die Projekte sollen aufzeigen, wie Ergebnisse der Berufsbildungsforschung in die Praxis einfliessen. Begutachtet wird nicht nur die Qualität der Forschung, sondern auch der Transferprozess in die Praxis.

Die Anmeldeunterlagen können vom 1. August 2021 bis 31. Januar 2022 eingereicht werden. Das Ergebnis wird Ende Mai 2022 bekanntgegeben und das Siegerprojekt im Herbst 2022 öffentlich vorgestellt. (sg)

 

«viamia»: Kostenlose Standortbestimmungen für Erwachsene über 40

viamia ist eine Initiative von Bund und Kantonen. Sie wurde lanciert, um Erwerbstätige über 40 in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen und ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu sichern. Das kostenlose Angebot besteht aus einer beruflichen Standortbestimmung, einer persönlichen Beratung und dem Planen weiterer Schritte für die individuelle berufliche Weiterentwicklung.

Von Januar bis Dezember 2021 wurde viamia in allen drei Sprachregionen als Pilotprojekt umgesetzt. Teilgenommen haben die Kantone Bern, beide Basel, Freiburg, Genf, Jura, Tessin, Waadt, Wallis, Zug und Zürich. Nach dem ersten Halbjahr gab das SBFI eine Zwischenevaluation in Auftrag. Deren Resultate liegen seit August 2021 vor. Sie zeigen, dass v. a. Personen mit tertiären Ausbildungen das Angebot nutzten; 41% verfügen über einen Hochschulabschluss und 20% über einen Abschluss der höheren Berufsbildung. Knapp ein Drittel der Teilnehmenden (32%) hat einen Abschluss auf der Stufe Sek II (Lehrabschluss, Matura). Zudem nahmen deutlich mehr Frauen (68%) als Männer das Angebot wahr.

Das Angebot wird gemäss Evaluationsbericht von den Kundinnen und Kunden sowie den Beratungspersonen sehr positiv eingeschätzt. Gestützt auf die Evaluation wird das Angebot weiterentwickelt. Ab Januar 2022 soll viamia Erwerbstätigen ab 40 Jahren in fast allen Kantonen zur Verfügung stehen. Der Bund plant, die kostenlosen Standortbestimmungen vorerst von 2022 bis 2024 zu subventionieren. (is)

Weitere Informationen: www.viamia.ch

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