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Aktuelles aus dem SVEB

Nach dem deutlichen Einbruch von Angebot und Nachfrage infolge der Corona-Pandemie befindet sich die Weiterbildungsbranche seit 2022 in einer Phase der Erholung. Dies zeigt der SVEB-Branchenmonitor, der einmal jährlich erscheint und gestützt auf eine Anbieterumfrage die Entwicklung in der Weiterbildungsbranche beobachtet, insbesondere in den Bereichen wirtschaftliche Situation, Angebot, Nachfrage und Personalbestand. Die aktuelle, auf der Erhebung von 2023 basierende Ausgabe des Branchenmonitors zeigt in allen vier Dimensionen eine leicht positive Branchenentwicklung. Auch die Erwartungen für 2024 wiesen in eine leicht positive Richtung: Etwas mehr als die Hälfte der befragten Anbieter erwartete für 2024 eine Zunahme der Nachfrage sowie des Angebotsvolumens. Der mit der Pandemie einhergehende Digitalisierungsschub in der Weiterbildungspraxis hat sich währenddessen etwas verlangsamt. Zu den aktuellen Herausforderungen zählen viele Weiterbildungseinrichtungen die Angebotsentwicklung: Neben der ressourcenintensiven Entwicklung von neuen Angeboten und der kontinuierlichen Verbesserung bestehender Angebote erachten die Anbieter die Individualisierung und Flexibilisierung als anspruchsvoll. Einige Anbieter empfinden ausserdem die Rekrutierung von qualifiziertem Personal und die Mitarbeiterbindung als anspruchsvoll. Vanessa Cacho und Sofie Gollob (2024): SVEB-Branchenmonitor 2024. Weitere Erholung der Weiterbildungsbranche. Zürich: SVEB Rund jede zehnte Person in der Schweiz hat Mühe, einfache Texte zu verstehen oder zu schreiben, alltagsmathematische Aufgaben zu bewältigen oder Informations- und Kommunikationstechnologie für ihren Alltag zu nutzen. Nur ein kleiner Teil dieser Personen nimmt an einem Angebot zur Verbesserung ihrer Grundkompetenzen teil. Für Weiterbildungsanbieter stellt die Erreichung dieser Zielgruppe eine Herausforderung dar. Daher stellt sich die Frage, welche Lernbedürfnisse Personen haben, die keine Weiterbildungen besuchen, und unter welchen Bedingungen sie in einen Lernprozess zur Verbesserung ihrer Grundkompetenzen eintreten würden. Bisher ist nur wenig über die möglichen Gründe für eine Nicht-Teilnahme bekannt. Ein Ansatzpunkt für ein besseres Verständnis liegt in der Betrachtung der Beziehung zwischen dem Lebenskontext, dem wahrgenommenen Lernbedarf und den daraus resultierenden Lernbedürfnissen. Denn der Lebenskontext prägt nicht nur die Einstellung zum Lernen und zu Kursbesuchen, sondern auch den vermeintlichen Nutzen einer Teilnahme. Mit dem Projekt «Lebenswelten» möchte der SVEB den Lebenskontext von Nicht-Teilnehmenden im Bereich Grundkompetenzen beleuchten. Das Projektteam hat in allen Sprachregionen der Schweiz leitfadengestützte Interviews durchgeführt und diese anhand qualitativer sozialwissenschaftlicher Methoden ausgewertet. Die aus dem Forschungsprojekt gewonnenen Informationen dienen dem Verständnis der subjektiven Gründe für eine Nicht-Teilnahme. Ein entsprechender Forschungsbericht wird Anfang 2025 veröffentlicht. Um sicherzustellen, dass die gewonnenen Informationen auch für die bedürfnisorientierte Angebotsentwicklung genutzt werden können, erarbeitet der SVEB anschliessend gemeinsam mit interessierten Anbietern ein praxisorientiertes Instrument. Derzeit fehlen in der Integrationsförderung in der Schweiz über 100 Kursleiterinnen und Kursleiter in den Bereichen Sprache und Alphabetisierung. Aufgrund dieses Fachkräftemangels können viele Kursangebote nicht durchgeführt werden. Anbieter und Kantone führen teilweise lange Wartelisten; viele Migrantinnen und Migranten, die Sprachunterricht besuchen würden, können dies nicht tun. Um potenzielle Kursleiter anzusprechen und Interessierte – auch Quer- und Neueinsteigereinnen – über Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung zu informieren, hat eine Projektgruppe bestehend aus dem SVEB, Weiterbildungsanbietern und Hochschulen die Website deutschunterrichten.ch lanciert. Auf diesem Portal werden offene Stellen kommuniziert und die Tätigkeit des Kursleiters im Integrationsbereich beschrieben. Das Projekt wurde vom Staatssekretariat für Migration SEM sowie von mehreren Kantonen unterstützt. Die Website richtet sich einerseits an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die bereits Unterrichtserfahrung haben, aber noch nicht im Sprachunterricht für Erwachsene tätig sind – also etwa Primarlehrpersonen oder Kursleiterinnen mit SVEB-Zertifikat oder Fachausweis. Andererseits sollen mit dem Aufzeigen von Ausbildungsmöglichkeiten auch Neueinsteigerinnen ohne Unterrichtserfahrung angesprochen werden. Ebenfalls beschrieben sind weiterführende Ausbildungen auf Hochschulniveau. deutschunterrichten.de Um zu eruieren, wo die Schweiz in Bezug auf die Klimabildung von Erwachsenen steht, hat der SVEB eine Recherche durchgeführt und die Resultate in Form eines Berichtes publiziert. Darin analysieren die Co-Autoren Marianne Müller (SVEB) und Simon Zysset (WWF Schweiz und formatia.ch) die Angebotslandschaft, die Rahmenbedingungen und die Förderstrukturen in der Schweiz. Dabei zeigen sie auf, dass die Relevanz von Bildung zur Förderung des Klimaschutzes, der Klimaanpassung und der nachhaltigen Entwicklung in den massgeblichen staatlichen Strategien und Agenden im Bildungsbereich zwar anerkannt ist, das Angebot aber dieser Relevanz noch nicht entspricht. Das relativ kleine Angebot in der allgemeinen Weiterbildung sowie die Fördermöglichkeiten weisen gemäss dem Bericht auf eine Diskrepanz zwischen subjektivem Bedarf im Sinne der Nachfrage und objektivem Bedarf zur Erreichung der Ziele gemäss nationalen und internationalen Beschlüssen, Strategien und Aktionsplänen für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung hin. In seinem Fazit definiert der Bericht darum Handlungsfelder und -vorschläge auf den Ebenen Bund und Kantone, Verbände und Netzwerke sowie Weiterbildungsinstitutionen. Dazu gehören unter anderem Anpassungen auf Gesetzesebene, die Zusammenarbeit von relevanten Akteuren oder die Weiterqualifizierung von Angebotsverantwortlichen und Kursleitenden in Nachhaltigkeitsthemen. Damit soll der Weiterbildungsbereich für die Situation der Klimabildung für Erwachsene in der Schweiz sensibilisiert werden. Darüber hinaus sollen die Akteure motiviert werden, konkrete Schritte zur Verbesserung der Situation zu unternehmen. Marianne Müller und Simon Zysset (2024): Klimabildung von Erwachsenen in der Schweiz. Zürich: SVEB In der Schweiz hat sich das vom SVEB zusammen mit Partnern entwickelte GO-Modell zur Förderung von Grundkompetenzen am Arbeitsplatz etabliert. Das Modell wurde für den Grundkompetenzbereich entwickelt, kann aber auch für die arbeitsplatznahe Förderung anderer Kompetenzen genutzt werden. Im Mai 2024 wurde der SVEB eingeladen, in Kirgistan eine Weiterbildung für Fachleute anzubieten, die das GO-Modell kennenlernen wollten. Die Einladung zum Know-how-Transfer erfolgte im Kontext des auf 12 Jahre angelegten, von der Schweizer Botschaft in Kirgistan lancierten Projektes «CHeber Skills Development Initiative». Ziel dieser Initiative ist es, in Zusammenarbeit mit Unternehmensverbänden, privaten und öffentlichen Bildungsanbietern die Entwicklung eines Marktes für non-formale Bildung zu fördern. In diesem Kontext sollte das GO-Modell des SVEB das nötige Know-how für arbeitsplatzspezifische Kursangebote in kirgisischen Betrieben bereitstellen. Cäcilia Märki, Leiterin Grundkompetenzen im SVEB, stellte das GO-Modell im kirgisischen Bishkek im Rahmen eines fünftägigen Trainings vor. Die 16 Teilnehmenden waren in Unternehmensverbänden oder bei Bildungsanbietern beschäftigt. Im Anschluss an die Einführung in das GO-Modell und das Erlernen der Grundlagen fand das weitere Training in einem Textilbetrieb vor Ort statt. Dies bot den Teilnehmenden die Gelegenheit, die ersten Schritte zur praktischen Umsetzung des GO-Modells in einem realen Setting zu erproben. Dazu gehörten insbesondere die Durchführung einer Anforderungsanalyse und die Erstellung von Anforderungsprofilen, welche als Grundlage für die Erhebung des Lernbedarfs der Mitarbeitenden dienten. Den Abschluss des fünftägigen Trainings bildete das Verfassen von Kurskonzepten auf der Basis der zuvor erarbeiteten Anforderungsprofile. Die Bilanz dieser Erfahrung fiel sowohl bei den kirgisischen Teilnehmenden als auch beim SVEB positiv aus. Die Teilnehmenden beurteilten die Instrumente und Prozesse des GO-Modells als geeigneten Rahmen, um in Kirgistan arbeitsplatzorientierte Weiterbildungen zu konzipieren und umzusetzen. Aus Sicht des SVEB war die Pilotierung des GO-Modells in einem Land, dessen Bildungssystem und Arbeitsmarkt wenig mit ihren Pendants in der Schweiz gemeinsam haben, eine wertvolle Gelegenheit, die Transferierbarkeit und Flexibilität des Modells zu erproben. Der Think-Tank TRANSIT behandelte dieses Jahr das Thema «Future Skills». Future Skills beziehen sich auf die Kompetenzen, Haltungen, Werte und Wissen, die in einer sich verändernden Gesellschaft und Arbeitswelt wichtig werden, um erfolgreich in der Zukunft bestehen zu können. Future-Skills-Diskurse sind ein Versuch, künftige Anforderungen zu antizipieren, um möglichst frühzeitig auf neue Bedarfe oder Bedingungen reagieren zu können. TRANSIT möchte diesen Diskurs in Bezug auf die Erwachsenenbildung führen. Future Skills Frameworks und ihre Kompetenzraster sind weder statisch noch universell gültig, sondern kontextabhängig und müssen den sich wandelnden Zukunftsvorstellungen angepasst werden. Die Vielfalt der Zukunftsvorstellungen und die Veränderlichkeit der Kompetenzmodelle werfen zentrale Fragen für die Akteure in der Erwachsenenbildung auf. In einem Anfang 2025 erscheinenden Trendbericht nimmt TRANSIT diese Fragen auf. Er diskutiert dazu die Idee hinter Future Skills, stellt einige Frameworks vor, beleuchtet die dahinterliegenden Zukunftsvorstellungen und ordnet diese in der sozialwissenschaftlichen Diskussion ein. Die Überlegungen zielen darauf ab, den Mehrwert der Beschäftigung mit zukünftigen Entwicklungen für die Erwachsenenbildung aufzuzeigen und eine kritische Einordnung von Future Skills zu ermöglichen. Der Trendbericht beinhaltet zudem Perspektiven, die es den Akteuren der Erwachsenenbildung erleichtern sollen, sich im Kontext von Future Skills zu orientieren. Um das kollektive Wissen und die vielfältigen Erfahrungen von Akteuren in der Erwachsenenbildung zu nutzen und die Perspektiven an den Bedürfnissen der Praxis auszurichten, werden diese in einer Veranstaltung und über Zusammenarbeit kollaborativ erarbeitet und reflektiert. Helen Buchs: TRANSIT-Trendbericht: Future Skills (erscheint Anfang 2025).

Aktuelles aus dem SVEB

Der Schweizerische Verband für Weiterbildung ist nach 53 Jahren von der Oerlikonerstrasse 38 an die zentral gelegene Hardstrasse 235 in Zürich umgezogen. Am 22. September 2022 hat die nationale Geschäftsstelle des SVEB Ende September 2022 die neuen Büroräumlichkeiten in Zürich-West bezogen. Bei seiner Gründung 1951 in Zürich umfasste der SVEB insgesamt drei Mitarbeitende im Nebenamt. Danach vergrösserte sich der Verband laufend. Mit der Erweiterung der Aufgaben ist auch das SVEB-Team in der nationalen Geschäftsstelle stetig gewachsen. Derzeit arbeiten 21 der insgesamt 28 Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle in Zürich. Der alte Standort in Oerlikon hat den Verband stark geprägt. Entsprechend bedeutet der Umzug für den SVEB mehr als nur eine neue Adresse. Der neue Standort spiegelt auch die Entwicklung, die der SVEB seit seiner Gründung zurückgelegt hat: In jahrelanger Aufbauarbeit hat der SVEB sein Netzwerk stetig erweitert und seine Leistungen als Fachverband sowie in den Bereichen Interessenvertretung und Bildungspolitik umfassend ausgebaut und professionalisiert. Somit entspricht der neue Standort im zentralen, dynamischen Zürich-West dem heutigen Selbstverständnis des SVEB besser als der bisherige Standort in einem beschaulichen Wohnquartier. Per Ende September 2022 lautet die Anschrift des SVEB: Schweizerischer Verband für Weiterbildung (SVEB) Hardstrasse 235 8005 Zürich Telefonnummern und Kontaktwege via info@alice.ch und unsere Online-Kanäle www.alice.ch und LinkedIn bleiben unverändert. Aufgrund der politischen Entwicklung auf europäischer Ebene beschäftigt sich der SVEB derzeit in einem Entwicklungsprojekt mit dem Thema «Micro-Credentials». Micro-Credentials sind eine neue (digitale) Form des Qualifikationsnachweises für kleine Lerneinheiten. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass Erwachsene zusätzlich zu konventioneller Aus- und Weiterbildung kurze, praxisbezogene «just in time»-Weiterbildungen benötigen. Durch ihre Kleingliedrigkeit werden Micro-Credentials als Chance gesehen, die Effizienz der allgemeinen und beruflichen Bildung zu steigern und Innovationen im Bereich des lebenslangen Lernens zu fördern. Unsere Recherchen zeigen, dass die Vorstellung, wie umfangreich eine Micro-Credentials-Lerneinheit aussehen soll, sehr divers ausfällt. Ebenfalls zeigt sich, dass die Diskussion, welche Informationen im Digital Badge – dem Qualifikationsnachweis – enthalten sein sollen, sehr heterogen verläuft. Trotz diesen unterschiedlichen Herangehensweisen spielen sie im internationalen Bereich eine zunehmende Bedeutung. Diesen Sommer hat beispielsweise der Rat der EU die Empfehlung über ein europäisches Konzept für Micro-Credentials angenommen. Unsere Recherche zeigt weiter, dass in der Praxis in der Schweiz die Auseinandersetzung dazu erst am Entstehen ist. Bisher kommen sie bei schweizerischen Bildungsinstitutionen kaum zum Einsatz. National wie international zeichnet sich zudem ein Bild ab, dass vor allem Hochschulen sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen und diese in ihre Bildungsangebote aufnehmen wollen. Der Bericht zu Micro-Credentials wurde im Herbst 2022 publiziert. Der SVEB prüft 2023 eine Pilotierung im Weiterbildungsbereich. Zur Publikation Nach zwei Pandemiejahren schätzen Schweizer Weiterbildungsanbieter die Entwicklung der Weiterbildungsbranche leicht positiv ein. Das zeigen die Resultate des SVEB-Branchenmonitors 2022. Der SVEB-Branchenmonitor erfasst aktuelle Entwicklungen und Tendenzen des Weiterbildungsmarktes. Zwischen April und Mai 2022 nahmen 210 Weiterbildungsanbieter an der Online-Umfrage des SVEB teil. Die Hälfte der über 200 Befragten schätzt die Entwicklung der eigenen wirtschaftlichen Situation für das Jahr 2022 als positiv ein. Dennoch sehen sich viele Anbieter weiterhin mit einer wirtschaftlichen Unsicherheit konfrontiert. Weiter beschreiben die teilnehmenden Organisationen eine Unsicherheit in der Teilnehmergewinnung. Demzufolge nennen manche Anbieter die Zurückhaltung der Kundschaft als grosse Herausforderung. Dennoch gehen knapp 60% der befragten Weiterbildungsanbieter von einer positiven Nachfrageentwicklung aus. Die Corona-Pandemie brachte einen Digitalisierungsschub in die Weiterbildungsbranche. Digitalisierung ist nach wie vor ein Thema in den verschiedenen Angebotsformaten. So suchen derzeit viele Anbieter nach einer geeigneten Mischung zwischen Online- und Präsenzformaten. Gleichzeitig zeigt sich die Digitalisierung auch auf der organisationalen Ebene. Mit dem SVEB-Branchenmonitor baut der SVEB eine systematische Beobachtung der Weiterbildungsbranche auf. Nach der ersten Durchführung im Jahr 2021 wurde der Monitor weiterentwickelt. Auch nach dem diesjährigen Branchenmonitor wird der Beobachtungsprozess optimiert und weiterentwickelt. Poopalapillai, Saambavi; Sgier, Irena (2022): SVEB-Branchenmonitor 2022: Positive Erwartungen trotz unsicherer Wirtschaftslage. Zürich: SVEB. Zur Publikation Das Schwerpunktthema der diesjährigen Anbieterumfrage 2022 waren Veränderungen auf Organisationsebene. Diese wurde über die Organisationsstrukturen und -prozesse, die strategische Ausrichtung und die Angebots- und Programmplanung erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass derzeit sehr viele Anbieter Veränderungen auf Organisationsebene vornehmen. So passen 90% ihre Strukturen und Prozesse an. Diese Anpassungen sind jedoch unterschiedlich umfassend. Während knapp die Hälfte gezielte Optimierungen vornimmt, bezeichnet jeder zehnte Anbieter die derzeitigen Veränderungen als radikale Transformation. Der Druck, Veränderungen auf Organisationsebene vorzunehmen, hat aufgrund der Corona-Pandemie deutlich zugenommen. Zudem ist der Veränderungsdruck primär durch externe Faktoren bestimmt: So beschäftigt die Anbieter weiterhin die Digitalisierung, aber auch Themen wie eine veränderte Nachfrage und veränderte Kundenbedürfnisse lösen auf Organisationsebene Druck aus. Entsprechend wollen die Anbieter die Agilität ihrer Organisation erhöhen und interne Prozesse flexibilisieren. Für viele von grosser Priorität sind auch die Themen Zielgruppengewinnung, Umsatzsteigerung und Wachstum. Nach den teilweise massiven Einbussen bei den Teilnehmenden geht es jetzt darum, Terrain zurückzugewinnen. Die Ergebnisse der Anbieterumfrage wurden im November 2022 im FOCUS Weiterbildung publiziert. Es haben 210 Anbieter an der Online-Anbieterumfrage teilgenommen, die zwischen April und Mai 2022 stattgefunden hat. Die Resultate der Umfrage wurden im Rahmen von drei Gruppendiskussionen mit Anbietern qualitativ vertieft. Gollob, Sofie; Sgier, Irena (2022): FOCUS Weiterbildung 2022: Veränderungen auf Organisationsebene. Zürich: SVEB. Zur Publikation Während der Corona-Pandemie waren die Weiterbildungsinstitutionen gezwungen, ihr Angebot an – vorübergehend – veränderte Bedingungen anzupassen. Wie sich jetzt zeigt, haben viele dieser Anpassungen die Pandemie überlebt. Die Weiterbildung präsentiert sich heute deutlich digitaler als vor zwei Jahren. Dies betrifft in erster Linie die Angebotsebene und dort sowohl die Formate als auch den Einsatz digitaler Technologien im Lehr-/Lernprozess (vgl. FOCUS-Studien und SVEB-Branchenmonitor 1 ). Bereits während der Pandemie wurde jedoch sichtbar, dass auch die Strukturen, Prozesse und Qualifikationsanforderungen des Personals vom Digitalisierungsschub betroffen sind und eine eigentliche digitale Transformation des ganzen Weiterbildungsfeldes in Gang sein könnte. Der SVEB ist in Gesprächen mit Expertinnen und Experten aus Weiterbildungsinstitutionen sowie aus der Forschung der Frage nachgegangen, wie diese Transformation aussieht und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Resultat dieser Analyse war, dass die Weiterbildungsinstitutionen die grössten Herausforderungen derzeit auf der Organisationsebene sehen. Um die Institutionen in ihrer digitalen Transformation zu unterstützen, hat der SVEB ein Analysetool erstellt, das die Anbieter im Sinn einer Selbstreflexion durch ihren Transformationsprozess begleiten kann. Das Tool basiert auf dem europäischen Tool DigCompOrg und steht allen Interessierten zur Verfügung. Als zweite Initiative richtete der SVEB auf Wunsch der befragten Expertinnen und Experten einen «Best-Practice-Circle» ein. Während sechs Wochen erhielten die Teilnehmenden einmal wöchentlich Einblick in Transformationsprozesse bei ausgewählten Institutionen und hatten Gelegenheit, sich über ihre Erfahrungen mit der digitalen Transformation auszutauschen. Diese Aktivitäten fanden im Rahmen eines Praxisprojektes statt, das im Herbst 2022 abgeschlossen wurde. Das Analysetool sowie ein kurzer Einblick in die «Rezepte» der Circle-Teilnehmenden sind auf der Website des SVEB verfügbar: https://alice.ch/de/themen/digitalisierung/digitale-transformation/

Aktuelles aus dem SVEB

Im Februar 2023 hat der SVEB einen Grundlagenbericht zur Nutzung von Micro-Credentials im internationalen Kontext sowie in der Schweiz publiziert. Micro-Credentials sind eine Form des Qualifikationsnachweises für kleine Lerneinheiten. Zu den Hoffnungen, die sich mit Micro-Credentials verbinden, gehört die Aussicht, mit kleinen Lerneinheiten bildungsungewohnte Zielgruppen leichter erreichen und zum Lernen motivieren zu können. Der Bericht des SVEB zeigt, dass sich in der Schweiz vor allem Hochschulen mit der Entwicklung von Micro-Credentials befassen. Im Weiterbildungsbereich besteht zwar Interesse an Mikro-Abschlüssen, angeboten werden diese aber bisher nur vereinzelt. Ein Grund für die zögerliche Haltung gegenüber Micro-Credentials liegt in der grossen Heterogenität der Begriffe, Konzepte und Erwartungen. Zwar hat die EU eine Definition von Micro-Credentials vorgeschlagen und Empfehlungen für eine einheitliche Umsetzung abgegeben, in der Schweiz gibt es aber bisher kein einheitliches Verständnis von Micro-Credentials. Zudem gibt es – wie in einigen europäischen Ländern – keine übergeordneten Initiativen zur koordinierten Entwicklung von Micro-Credentials. Vor diesem Hintergrund ist es für Weiterbildungsanbieter schwierig einzuschätzen, ob sich die Entwicklung von Micro-Credentials lohnen würde und mit welchen Investitionen und Herausforderungen zu rechnen wäre. Im Anschluss an das erste Praxisprojekt plant der SVEB ein Folgeprojekt, um die Umsetzbarkeit von Micro-Credentials in der schweizerischen Weiterbildung vertieft zu analysieren. Dazu gehören insbesondere Nutzenanalysen bei Individuen, Weiterbildungsanbietern und Akteuren aus dem Arbeitsmarkt. Hedinger, Franziska (2023): Micro-Credentials: Aktuelle Entwicklungen in der Schweiz und auf internationaler Ebene. Grundlagenbericht. Zürich: SVEB Der dritte Trendbericht des Think Tank TRANSIT widmet sich dem Thema Flexibilisierung. Zuerst beschreibt er anhand theoretischer und empirischer Arbeiten aus diversen Disziplinen wie der Soziologie oder der Psychologie Flexibilisierungstendenzen in der Gesellschaft und der Arbeitswelt. Dabei beleuchtet der Bericht die drei Bereiche «Lebensentwürfe», «Arbeitswelt» und «Wissensquellen». Ein bestimmendes Element ist in allen drei Bereichen ein Wandel hin zu postmaterialistischen Werten wie Individualisierung oder Sinnhaftigkeit, die nebst neuen technologischen Möglichkeiten mit Flexibilisierung verknüpft sind. In einem zweiten Teil leiten die Autorinnen aus den Tendenzen Perspektiven für die Zukunft des Lernens von Erwachsenen und der Weiterbildung ab und stellen Fragen über den Umgang mit diesen Perspektiven an die Akteure der Weiterbildung. Denn es scheint bereits jetzt klar, dass alle Perspektiven zwar Chancen bieten, aber auch viele Herausforderungen mit sich bringen. Die Themen «Lebensentwürfe», «Arbeitswelt» und «Wissensquellen» übergreifend ergeben sich folgende Perspektiven: Zunehmende Vielfalt und Diversität, wachsende Notwendigkeit für Sinnhaftigkeit und Mitbestimmung sowie steigende Komplexität. Buchs, Helen; Sgier, Irena; Müller, Sabin (2023): Dritter Trendbericht des Think Tanks TRANSIT: Immer flexibler – immer besser? Zürich, SVEB. Verfügbar auf www.thinktank-transit.ch . Im Rahmen des Förderschwerpunkts «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» unterstützt der Bund seit 2018 Betriebe finanziell dabei, mit massgeschneiderten Kursen die Grundkompetenzen von Mitarbeitenden zu fördern. Zu den Grundkompetenzen zählen Lesen, Schreiben, Computer, Rechnen und Sprache. Ziel ist es, Mitarbeitende am Arbeitsplatz gezielt zu unterstützen und den Transfer des Gelernten sicherzustellen. Für den Erfolg des Förderschwerpunkts ist das Engagement der Anbieter zentral. Sie informieren und beraten Betriebe im Rahmen ihrer Akquise-Aktivitäten. Und sie entwickeln die Kurse gemäss dem Bedarf der Betriebe und der Mitarbeitenden und setzen sie vor Ort um. Das vom SVEB entwickelte GO-Modell bildet den konzeptionellen Rahmen für den Förderschwerpunkt «Einfach besser! … am Arbeitsplatz». In Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus der Praxis hat der SVEB die GO-Weiterbildung neu konzipiert und sie im ersten Halbjahr 2023 als Pilot erstmals umgesetzt. Sie besteht aus vier Modulen, die auch einzeln besucht werden können. Ziel ist es, Weiterbildungsanbieter dabei zu unterstützen, professionelle Grundkompetenz-Angebote für die Betriebe umzusetzen. Weitere Informationen: https://alice.ch/de/themen/grundkompetenzen/einfach-besser-am-arbeitsplatz/ https://alice.ch/de/themen/grundkompetenzen/go-upskilling-am-arbeitsplatz/go-modell/ Die Schweizerische Konferenz der Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SKOS) und der SVEB haben im Jahr 2018 eine gemeinsame Weiterbildungsoffensive lanciert. Ziel der Offensive war es, allen von der Sozialhilfe unterstützten Menschen die Möglichkeit zu geben, sich weiterzubilden. Mit der ersten Phase der Weiterbildungsoffensive konnten seit 2019 dank der Unterstützung von mehreren Stiftungen neun Sozialdienste in der Deutschschweiz sowie im Kanton Tessin dabei unterstützt werden, ihre Förderstruktur im Bildungsbereich zu verbessern. In der Sozialhilfe besteht heute dank der Weiterbildungsoffensive ein erhöhtes Bewusstsein für das Potenzial der Weiterbildung als Mittel und Grundlage für die nachhaltige Arbeitsmarktintegration. In mehreren Kantonen arbeiten jetzt zudem die Bereiche Bildung und Soziales enger zusammen. Die positiven Ergebnisse der ersten drei Jahre der Offensive sind im Evaluationsbericht festgehalten. Vor dem Hintergrund des wachsenden Fach- und Arbeitskräftemangels sowie der fortschreitenden Digitalisierung, die die Anforderungen an die Erwerbstätigen ständig erhöht, haben SKOS und SVEB entschieden, die Weiterbildungsoffensive (2018–2022) fortzusetzen und auszubauen. Ziel ist der Aufbau von stabilen Förderstrukturen in bis zu 40 Sozialdiensten, um die WBO in den nächsten Jahren (2023–2026) in der ganzen Schweiz zu verankern. Die WBO wird von einer breiten Allianz aus Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft und der Bildung getragen. Dazu gehören unter anderem der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV), der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Weitere Informationen Der Kanton Aargau hat in Kooperation mit dem SVEB und dem DVLS (Dachverband Lesen und Schreiben) ein Bildungsgutscheinprojekt lanciert. Um Erwachsene mit Förderbedarf für einen Grundkompetenzkurs zu motivieren, werden seit Anfang Januar 2023 Bildungsgutscheine in der Höhe von 500 Franken vergeben. Für die Zielgruppe soll dank der Gutscheine der Zugang zu Grundkompetenzkursen niederschwelliger und kostengünstiger werden. Kursanbieter, Fach- oder andere Kontaktpersonen können diese Gutscheine an die Zielgruppe abgeben, die direkt über die Kampagnen-Website «Einfach besser!» erhältlich sind. In den Kursen selbst werden Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben, Alltagsmathematik und die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien vermittelt. Der Kanton Aargau folgt mit dem Bildungsgutschein speziell für Menschen mit Grundkompetenzbedarf den Kantonen Luzern und Freiburg. Weitere Informationen

Aktuelles aus dem SVEB

In der Studie «FOCUS Weiterbildung» zeigt der SVEB auf, wie Weiterbildungsanbieter künstliche Intelligenz (KI) einsetzen. Die Ergebnisse basieren auf der im Frühling 2024 durchgeführten Anbieterumfrage, an der 423 Organisationen aus allen drei Sprachregionen der Schweiz teilgenommen haben. Demnach setzen 32 Prozent der Weiterbildungsorganisationen KI bereits ein, 13 Prozent planen die Nutzung. Rund ein Viertel schliesst den Einsatz in naher Zukunft aus. Am häufigsten kommt KI in Bereichen wie Marketing und Kommunikation sowie in Lehr- und Lernsettings zum Einsatz. Besonders oft wird dabei auf Sprachverarbeitungstools wie ChatGPT, DeepL oder Gemini zurückgegriffen, wobei diese Tools meistens für die Erstellung von Lernmaterialien verwendet werden. Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass die Mehrheit der Anbieter gegenüber KI positiv eingestellt ist. Rund zwei Drittel gehen davon aus, dass KI einen positiven Effekt auf die Qualität von Weiterbildungsangeboten hat. Viele erhoffen sich insbesondere einen Nutzen für die Individualisierung von Lehr-/Lernsettings. Gleichzeitig sehen 60 Prozent der Organisationen erhebliche ethische Risiken, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und die potenzielle Substitution der Lehrpersonen durch KI. Ein bedeutender Faktor für den erfolgreichen KI-Einsatz ist die Kompetenz des Weiterbildungspersonals. Im Frühling 2024 haben lediglich 39 Prozent der Organisationen angegeben, dass ihre Mitarbeitenden über ausreichende Kompetenzen verfügen. Gleichzeitig zeigt das Personal grosse Offenheit: In 80 Prozent der Organisationen besteht die Bereitschaft, KI in die Arbeit zu integrieren. Um die veränderten Kompetenzanforderungen zu bewältigen, haben 44 Prozent der Organisationen bereits Weiterbildungen für ihr Personal angeboten. Die Inhalte reichen von grundlegenden Einführungen in KI bis hin zu spezifischen Anwendungen in Lehr- und Lernsettings. Sofie Gollob (2024): FOCUS Weiterbildung: Einsatz von KI in Schweizer Weiterbildungsorganisationen. Zürich: SVEB https://alice.ch/de/forschung/forschungsaktivitaeten-des-sveb/focus-weiterbildung/ Dank der Unterstützung von Movetia kann der SVEB ab 2025 an vier neuen internationalen Projekten mitarbeiten: Das Ziel von BlockED ist es, Ausbildende für die Implementierung von Micro-Credentials in kurzen, digitalen Lerneinheiten zu schulen. Das Projekt beabsichtigt, die Qualität von kurzen Lerneinheiten mit Micro-Credentials zu fördern, indem es die Ausbildenden anleitet und die nötigen konzeptionellen und technologischen Hilfsmittel bereitstellt. Das Projekt ETHLAE verfolgt das Ziel, die potenziellen Veränderungen für das Leben, Arbeiten und Lernen von Erwachsenen durch «emerging technologies» wie KI, IoT, AR/VR und Robotik für die Erwachsenenbildung und die Förderung der Grundkompetenzen zu erfassen, zu bewerten und aufzubereiten. Im Projekt werden bestehende Ansätze und Erfahrungen analysiert und auf ihre Eignung für die Erwachsenenbildung/Grundkompetenzförderung überprüft, angepasst und getestet. Das Projekt DIGITALLI zielt darauf ab, Institutionen der Weiterbildung bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Geplant sind die Entwicklung eines Toolkits für die Umsetzung digitaler Transformationsstrategien in Weiterbildungseinrichtungen, die Bereitstellung eines digitalen Expertensystems und ein Weiterbildungsprogramm für Ausbildende, das auf europäischen Kompetenzmodellen im Bereich digitale Kompetenzen basiert. Das PLASE-Projekt beabsichtigt, die Integration und Nutzung von ortsbezogener Bildung (Place-based Education – PBE) durch Ausbildende und Bildungsanbieter zu erforschen, zu fördern und anzuregen. Insbesondere dort, wo das Interesse und die Teilnahmequote an der Erwachsenenbildung unter dem nationalen Durchschnitt liegt. Beim PBE-Ansatz wird das Lernen eng mit der lokalen Umgebung, Gemeinschaft und Kultur verbunden. Lernende sollen in ihrem Lebensraum und in der sie umgebenden Gemeinschaft lernen. In Ungarn fehlte bisher ein breiter Dialog über Professionalität und Qualität unter den beteiligten Akteuren des Weiterbildungsbereichs. Für Ausbildende in der Weiterbildung war es kaum möglich, entsprechende Austauschgefässe, Informationsmöglichkeiten und konkrete Unterstützungsangebote für den ungarischen Kontext zu finden. Vor diesem Hintergrund hat der SVEB in Zusammenarbeit mit Progress Ltd., einem langjährigen Partner aus Budapest, die Informationsplattform Profadul aufgebaut (profadul.com). Die Plattform enthält Lerninhalte, Informationsmöglichkeiten sowie Eventhinweise und fördert über verschiedene Austauschgefässe Kollaborationen zwischen den Akteuren. Ausserdem wurde im Rahmen des Projekts eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit ungarischen und Schweizer Experten und Expertinnen etabliert und Konferenzen mit den wichtigsten Stakeholdern organisiert. Profadul.com Der SVEB hat das Weiterbildungsmodul, das zum «SVEB-Weiterbildungszertifikat digital» führt, aktualisiert und mit KI-Themen ergänzt. Das Modul heisst neu: «Lernprozesse mit digitalen Lerntechnologien und künstlicher Intelligenz unterstützen». Nebst der künstlichen Intelligenz werden auch Aspekte wie Data-driven Learning, Gamification oder Virtual und Augmented Reality thematisiert. Neu hinzugekommen ist zudem die Thematisierung ethischer Aspekte. Absolventinnen und Absolventen sind demnach in der Lage, im eigenen Fachbereich digital gestützte Lernprozesse mit Erwachsenen mit Hilfe digitaler Lerntechnologien und KI effektiv umzusetzen und zu reflektieren. Ada-Modul Digital: https://alice.ch/de/news/mit-ki-ergaenzt-weiterbildungsmodul-digital-ueberarbeitet/ Der SVEB hat 2024 eine Studie zum Thema «Bedeutung und Umsetzung von Weiterbildung in KMU» veröffentlicht. Die Studie basiert auf einer quantitativen Befragung von 386 KMU mit 2 bis 50 Mitarbeitenden sowie 10 qualitativen Interviews mit KMU-Verantwortlichen. Mit der Studie liegen erstmals seit 2005 repräsentative empirische Ergebnisse zur Bedeutung und Umsetzung von Weiterbildung in Schweizer Mikro- und Kleinunternehmen vor. Die Studie nimmt die Diversität des Weiterbildungsbereichs auf und weist Unterschiede nach Branche, Unternehmensgrösse und Qualifikationsstruktur nach. Die Studie zeigt einerseits, die hohe Bedeutung, die KMU der Weiterbildung für den Unternehmenserfolg zuschreiben. Gemäss den Ergebnissen anerkennen die KMU die Relevanz und den Nutzen von Weiterbildung, insbesondere zur Deckung des innerbetrieblichen Kompetenzbedarfs. Dementsprechend ist Weiterbildung bei einem Grossteil der KMU Bestandteil der Unternehmensstrategie und des -budgets. Viele Betriebe leisten finanzielle oder zeitgutsprachliche Unterstützung für die Weiterbildung der Mitarbeitenden und evaluieren entsprechende Massnahmen. Auch die Mitarbeitenden werden von der Mehrheit der KMU als weiterbildungsmotiviert beschrieben. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Mitarbeitenden in vielen KMU nur selten an Weiterbildung teilnehmen. Insbesondere geringqualifizierte Mitarbeitende weisen eine tiefe Weiterbildungsaktivität auf. Zudem kann ein Drittel der KMU dem betrieblichen Weiterbildungsbedarf nicht gerecht werden. Gründe dafür sind gemäss Angaben der KMU-Verantwortlichen fehlende finanzielle und zeitliche Ressourcen oder ein Mangel an geeigneten Weiterbildungen. https://alice.ch/de/forschung/forschungsaktivitaeten-des-sveb/kmu-studie/

Aktuelles aus dem SVEB

Die Weiterbildungsbranche hat gemäss Anbietern mit dem Fachkräftemangel, einem verstärkten Wettbewerb und einem veränderten Anmeldeverhalten der Teilnehmenden zu kämpfen. Trotzdem gehen die Weiterbildungsorganisationen von einer leicht positiven Entwicklung aus, wie der SVEB-Branchenmonitor ergeben hat. Der SVEB-Branchenmonitor erscheint einmal jährlich und beobachtet die Entwicklung in der Weiterbildungsbranche, insbesondere in den Bereichen wirtschaftliche Situation, Angebot, Nachfrage und Personalbestand. Die Umfrageergebnisse zeigen eine leicht positive Entwicklung für die Branche im Jahr 2022 und ebenso positive Erwartungen für das laufende Jahr 2023. Dies, obwohl die Weiterbildungsanbieter wiederum vor grossen Herausforderungen stehen. Die zurzeit grösste Herausforderung sehen die Befragten im verschärften Wettbewerb, der unter anderem von internationalen Online-Angeboten angetrieben wird. Teilnehmende zu gewinnen, ist eine wiederkehrende Challenge für die Bildungsinstitutionen. Das zeigt sich teilweise auch bei der Durchführung respektive Nichtdurchführung: Im Durchschnitt konnte jedes fünfte Angebot, das ausgeschrieben war, nicht durchgeführt werden. Weitere Informationen zum Branchenmonitor Der SVEB sieht einen grossen Bedarf, die Rolle der Weiterbildung im Bereich Nachhaltigkeit zu stärken. Um zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen zu können, müssen Erwachsene allerdings über Kompetenzen in den Nachhaltigkeitsbereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales verfügen. Deshalb hat der SVEB das Thema Nachhaltigkeit zu einem Schwerpunkt erklärt und setzt verschiedene Projekte in diesem Bereich um. Gleich zwei nationale Nachhaltigkeitsprojekte sind im Sommer gestartet: Mit dem Klima-Check will der SVEB Bildungsinstitutionen dabei unterstützen, ihre Klima-Bilanz zu analysieren und zu verbessern. Mit dem Leitinstrument können sie sich zu nachhaltigen Organisationen entwickeln. Das Projekt Klimabildung soll einen systematischen Überblick über die hiesigen Angebote zur Vermittlung von Klimakompetenzen im Erwachsenenbereich bieten – etwas, das es bis jetzt nicht gibt. Das geplante Projekt analysiert die aktuelle Situation der Klimabildung im Erwachsenenbereich und hält die Ergebnisse in einem Bericht fest. Ausserdem ist der SVEB beim Thema Nachhaltigkeit Teil von verschiedenen internationalen Kooperationsprojekten und arbeitet mit Partnerländern an der Förderung der Nachhaltigkeitsbildung von Erwachsenen. Ein Beispiel ist das Projekt TALE, das mit transformativen Lernansätzen und innovativen Lernmethoden das Klimabewusstsein in der Gesellschaft steigern möchte. Der SVEB wird sich in Zukunft dem Thema Nachhaltigkeit noch verstärkt widmen und die Interessen des Weiterbildungsbereichs auf nationaler und internationaler Ebene vertreten. Weitere Informationen unter Am 25. Januar 2024 findet an der PHZH die siebte Tagung der Reihe «Weiterbildung in Forschung und Praxis» statt. Das Thema: Nachhaltigkeit in der Weiterbildung – Impulse für Organisations- und Angebotsentwicklung. An der Tagung wird das Thema Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen beleuchtet: Auf der Systemebene fragen wir nach den nötigen (politischen) Rahmenbedingungen für Weiterbildungsinstitutionen, damit Nachhaltigkeit noch stärker in den Organisationen und im Angebot verankert werden kann. Auf der Organisationsebene geht es darum, wie Nachhaltigkeit in den Institutionen gelebt wird, wie Institutionen zu einem Lernraum für nachhaltige Entwicklung werden können oder wie das Personal entsprechend qualifiziert werden muss. Auf der Ebene des Lehrens und Lernens geht es um die Frage, wie Nachhaltigkeitsinhalte zeitgemäss vermittelt werden und wie Nachhaltigkeit in der Weiterbildung als Querschnittsthema aufgenommen werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt liegt beim Thema Kompetenzen: Wir fragen uns, welche Kompetenzen Verantwortungsträger und Dozierende brauchen, um das Thema Nachhaltigkeit in der Weiterbildung und in der Gesellschaft insgesamt zu fördern. Uns interessiert aber auch, welche Kompetenzen die erwachsene Gesellschaft insgesamt braucht, um zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Weitere Informationen Ihre Zielgruppen zu erreichen, ist für Weiterbildungsanbieter eine permanente Herausforderung. Besonders anspruchsvoll ist die Teilnehmendengewinnung im Bereich Grundkompetenzen, wo die Zielgruppen häufig von unterschiedlichen Förderstrukturen angesprochen werden. Ein lerntheoretischer Ansatz geht beispielsweise davon aus, dass es normalerweise nur dann zum Lernen kommt, wenn gewöhnliche Routinen nicht mehr greifen. Wenn die Personen mit geringen Grundkompetenzen selbst jedoch ihren Umgang mit Schriftsprache (oder einer anderen Grundkompetenz) als ausreichend einschätzen und er ihren lebensweltlichen, beruflichen und alltäglichen Ansprüchen genügt, wird die Zielgruppenansprache zusätzlich erschwert. Es stellt sich deshalb die Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssten, damit Personen, die keine Weiterbildungen besuchen, in einen Lernprozess zur Verbesserung ihrer Grundkompetenzen eintreten. Für ein vertieftes Verständnis dieser Frage braucht es mehr Wissen über ihre Lebenswelten, ihren Zugang zum Lesen und Schreiben und ihre Einstellung zum Lernen. Das Projekt Lebenswelten hat zum Ziel, Informationen zu den Lebenswelten von Nichtteilnehmenden zu erhalten; als Nichtteilnehmende gelten im Rahmen dieses Projektes Zielpersonen von Angeboten im Bereich Grundkompetenzen, die diese aber nicht nutzen. Dazu führt das Projektteam des SVEB ab Herbst 2023 in allen Sprachregionen der Schweiz leitfadengestützte Interviews durch. Dieses Entwicklungsprojekt wird vom SBFI finanziert und dauert bis zum Sommer 2024. Weitere Informationen Seit dem 4. September 2020 können sich erwerbsfähige Erwachsene mit Wohnsitz im Kanton Luzern für einen Bildungsgutschein im Wert von 500 Franken anmelden. Dieser Gutschein kann für einen Grundkompetenzkurs in den Bereichen Lesen und Schreiben, Konversation, Alltagsmathematik sowie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) eingelöst werden. Am 24. August ist der vom SVEB in Zusammenarbeit mit der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern (DBW) erarbeitete Evaluationsbericht 2022 erschienen. Die Ergebnisse zeigen, dass im Jahr 2022 817 Personen insgesamt 1’046 Bildungsgutscheine eingelöst haben. Das entspricht einer Zunahme von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr und verdeutlicht, dass das Angebot der Bildungsgutscheine zur Förderung der Grundkompetenzen bei Erwachsenen sehr gefragt ist. 2022 beteiligten sich 11 Weiterbildungsanbieter am Gutscheinsystem im Kanton Luzern. Sie haben 56 Angebote insgesamt 431-mal auf der Website der nationalen Kampagne zur Förderung der Grundkompetenzen «Einfach besser!» ausgeschrieben. Die meisten Kurse wurden im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) besucht, gefolgt von Konversation, Lesen und Schreiben sowie Mathematik. Die Teilnehmenden waren mehrheitlich zwischen 25 und 54 Jahre alt und hatten Deutsch als Fremdsprache. 42% verfügten zum Zeitpunkt des Gutscheinbezugs über keinen Abschluss auf Sekundarstufe II (Berufslehre oder Mittelschule). Gollob, Sofie/Buser, Patricia (2023): Einsatz von Bildungsgutscheinen zur Förderung von Grundkompetenzen im Kanton Luzern. Evaluationsbericht 2022, Zürich: SVEB Weitere Informationen Mit Bildungsgutscheinen werden Personen finanziell bei einer Weiterbildung unterstützt. Die Gutscheine sind je nach Zielen und Bedarfen flexibel einsetzbar. Es handelt sich um ein nachfrageorientiertes Finanzierungsinstrument. Das heisst, die Teilnehmenden entscheiden – im Rahmen des definierten Angebotes – selbst, welche Weiterbildungen sie besuchen möchten. Um einen Bildungsgutschein erfolgreich zu etablieren, braucht es einen sorgfältig abgestimmten Mix an Massnahmen. Diese sollten einerseits den Zielen und Vorgaben der Auftraggeber/Finanzgeber und andererseits dem Bedarf der Zielgruppe entsprechen. Der SVEB hat darum Materialien erarbeitet, die Akteuren wie Kantonen oder Stiftungen bei der Planung und Umsetzung von erfolgreichen Gutscheinprojekten helfen. Allen Interessierten stehen folgende Unterlagen zur Verfügung: Der Schnell-Check bietet eine Übersicht über die wichtigsten Massnahmen, die es braucht, um ein erfolgreiches Projekt umzusetzen. Er hilft bei der Entscheidung, ob Bildungsgutscheine das geeignete Finanzierungsinstrument sind. Der Leitfaden dient als Orientierungshilfe für die Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung von Weiterbildungsgutschein-Projekten (kurz Gutscheinprojekten). Es werden sechs Bausteine vorgestellt sowie Erfolgsfaktoren und Stolpersteine aufgezeigt. Der Grundlagenbericht fasst den aktuellen Wissensstand aus Praxis und Forschung zum Thema Bildungsgutscheine zusammen. Es werden etablierte Projekte vorgestellt. Weitere Informationen und Downloads

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